Live: dEUS, Moods Zürich, 15-11-26

dEUS_1_Carolin Földy

dEUS
Donnerstag 26.11.2016
Moods, Zürich Hardbrücke
Setliste
Bilder von Carolin Földy

Besondere Umstände verlangen nach besonderen Massnahmen. Man kann als Band nicht 26 Jahre bestehen und glauben, die Fans verzeihen jahrelanges Touren mit Standardkonzerten. Und wenn man dann noch eine neue Best Of auf den Markt haut, dann kann man sich entweder gleich zur Ruhe setzen oder muss den Menschen etwas neues bieten. Tom Barman kratzte sich wohl kurz am Kopf und sagte dann zu seinen Mannen: Ruhestand ist für Weicheier. Wir machen eine neue Konzertreihe mit selten gespielten Liedern, verzichten aber auf den Lärm.

Wobei jetzt niemand aufschreien sollte, denn die Gruppe aus Belgien zeigte sich im Moods in Zürich nicht nur ruhig, sondern wunderschön und hoch emotional. Mit einer erfrischen kurzen Setlist voller Perlen und vergessenen Hochleistungen hatten dEUS das Publikum bereits beim Opener „Wake Me Up“ vollends im Griff. Obwohl der Halt in Zürich erst der dritte der aktuellen Konzertreise darstellte, zeigten sich die Mannen mit grosser Spielfreude und Elan. Der einzige Punkt, der immer wieder für Schwierigkeiten sorgte, war der Barhocker bei Tom. Stehen oder doch sitzen? Gitarre wegräumen oder doch das Kabel drumwickeln? Ein Erzfeind war gefunden, immerhin schaffte es der Bösewicht nicht, die Songs zu verfälschen. Denn was dEUS an diesem Abend ablieferten war von reiner Schönheit. Die Reduktion des Klangvolumens tat der Band gut, denn sie konnte zeigen, wie perfekt und zerbrechlich ihre Lieder sind. Egal ob „Nothings“, „Right As Rain“ oder „Secret Hell“, man wollte die Leute im Saal und auf der Bühne in die Arme nehmen. Gemeinsames Leiden macht es erträglicher, gemeinsame Bewunderung den Auftritt perfekt. Und wenn die Gitarren dann doch mal lauter wurden, die Geige dissonant akzentuierte und der Bass den Boden pflasterte war die Wucht zurück. „Smokers Reflect“ fuhr direkt unter die Haut, „7 Days / 7 Weeks“ wurde ein unendlich hoher Turm.

Ein Abend für Feinschmecker und Geniesser, aber auch Anfänger im dEUS-Kosmos kamen nicht zu kurz. Denn bei den Zugaben lieferten die Musiker ein Dreigespann ab, das alles andere vergessen machte. „Sirens“ macht den entzückenden Anfang, „Bad Timing“ liess die Steigerungssucht befriedigt zurück und das abschliessende „Dream Sequence #1“ setzte allem die Krone auf. Wenn ein Konzert schon so grossartig beginnt wie dieses, glaubt man nicht mehr an Steigerungen. Doch dEUS hörten nicht auf die Zuschauer in Ehrfurcht zu versetzen. Egal wenn die Truppe dieses mal zahm und brav war, ihre ausgefallene und verrückte Seiten werden bestimmt auf der nächsten Tour wieder über die Köpfe hinweg rollen. Und bei dieser Setlist, in diesem Lokal, mit diesen Melodien und diesen Texten, war es wie Weihnachten und Festivalhighlights auf einmal.

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