Guy Garvey – Courting The Squall (2015)

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Guy Garvey – Courting The Squall
Label: Polydor / Fiction Records, 2015
Format: CD
Links: Discogs, Künstler
Genre: Alternative Rock, Pop

Gewissen Figuren im Musikgeschäft haftet eine besondere Aura an. Diese Menschen wirken überlebensgross und bringen alleine mit ihrer Erwähnung alle in Verzückung. Guy Garvey, bestens bekannt als Sänger der englischen Band Elbow, ist eine solche Person. Der Künstler verzaubert bei Konzerten, schlägt mit seiner Stimme in den Bann und ist einer der wenigen Musiker, die man gerne als Freund hätte. 40 Jahre in seinem Leben mussten vergehen, bis er sich an sein erstes Soloalbum gewagt hat, und begeistert nun auch neben der Gruppenbindung.

Wobei schnell klar wird, komplett anders als mit seiner Band klingt Herr Garvey auf „Courting The Squall“ nicht. Die Musik ist genau so erhaben und königlich wie bei Elbow. Seine Weltstimme bietet ihn als Ritter des vereinigten Königreiches an, die Lieder als Verwalter des alternativen Rock. Reduktion und Überlegung nehmen die Fronstellung ein, lassen aber auch opulente Momente zu. Bläser ergreifen ihren wichtigen Platz auf der Bühnenmitte und tauschen die Melodien mit den Gitarren und Keyboards. Wie wichtig das perkussive Element ist, zeigt sich bei dem Titellied oder „Belly Of The Whale“. Hier überrascht Guy Garvey erneut mit seinem feinen Gespür für das Sprachbild und die Rhythmik des Gesangs. Satzfolgen und Betonung sind cool, da fällt es auch nie auf, dass sich die Platte oft in langsamen Gebieten bewegt. Denn diese bedächtige Präsentation steht dem Künstler sehr gut, lässt sie doch genügend Spielraum für die mächtige Stimme. Es werden Klanganleihen aus vergangenen Jahrzehnten gepflückt, mit „Electricity“ taucht man sogar in einen verrauchten Jazz-Keller ab. Die Scheibe aber behält in all diesen Farbtupfern zu jedem Zeitpunkt ihre Identität und muss sich nicht mit fremden Federn schmücken. Jeder Ton und jede Note sitzt an ihren Platz, eine perfekte Balance entsteht.

Mit „Courting The Squall“ hat Guy Garvey nicht nur ein wunderschönes Album veröffentlicht, voller herzergreifenden Momenten wie bei „Harder Edges“, sondern Musik mit zeitloser Atmosphäre geschrieben. Die Scheibe klingt wie die Essenz der Musikgeschichte, welche der Alternative Rock zusammen mit dem Pop in den letzten Jahren in der westlichen Welt geschrieben hat. Der Künstler wird somit allen Erwartungen und seiner eigenen Vergangenheit gerecht. Wunderbar und einfach nur schön.

Anspieltipps:
Angela’s Eyes, Juggernaut, Belly Of The Whale

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