We Stood Like Kings – USSR 1926 (2015)

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We Stood Like Kings – USSR 1926
Label: Kapitän Platte, 2015
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit Download
Links: Discogs, Band
Genre: Post-Rock

Ach, früher war es halt doch einfacher auf dieser Welt. Die Filme zeigten nur Wahrheiten auf und das Leben war im sozialistischen System wunderbar geregelt. So zumindest will es uns auch heute noch der Stummfilm „A Sixth Part Of The World“ von Dziga Vertov weiss machen. Nicht nur führt er uns in die UdSSR der Zwanzigerjahre, nein – er verherrlicht auch die damals herrschenden Zustände. Trotzdem, es ist ein spannendes Zeitdokument, wenn leider auch tonlos. Um diesen Umstand zu beheben, haben sich We Stood Like Kings nach „Berlin 1927“ ein weiteres Mal an die Vertonung eines Stummfilms gemacht. Und dieses Mal hat alles perfekt geklappt.

Denn die Truppe aus Belgien versteht es, mit instrumentalem Rock Emotionen aufleben zu lassen und Szenen in den Köpfen der Hörer anzukurbeln. Was eigentlich als Begleitung gedacht ist, funktioniert auch als reines Audioerlebnis. Die Kälte der Tundra, die Stimmung in der UdSSR und die Atmosphäre des harten Lebens, alles scheint man zwischen den Melodien und Takten zu spüren. Die Instrumente übernehmen die Stellungen der Figuren, die Soundflächen die Kulissen. Erstaunlich, dass Musik, die eine Wirkung von hartem Leben ausstrahlt, gleichzeitig so leicht gespielt wird. Dank dem spielerischen Klavier erhält man eine neue Sichtweise auf den Post-Rock, ohne die Traditionen mit den Füssen zu treten. Die Gitarren setzen Akzente, bleiben aber angenehm im Hintergrund. Somit passt es auch, dass sich die Band auf diesem Album eher kurz hält. Die Lieder sind prägnant und selten ausufernd. Man findet weniger das totgehörte Aufbauen und Abschwellen, die Musiker setzen Wert auf Führung und Lichtpunkte. Songs mit Würze, gerne aber auch mit langen Melodienbögen und Gitarrenteppichen.

We Stood Like Kings haben sich auf „USSR 1926“ stark gesteigert und stehen als gereifte Band da. Orchestral und gekonnt gespielt, oft mit wunderbaren Auflösungen der Musik und abgeschlossenen Themen in den Stücken präsentiert. Ich mag die Platte viel besser als das Debüt, heben sich die Belgier doch nun noch stärker von dem Einheitsbrei im Post-Rock ab. Genau solche Platten vermisst man zu oft in dieser Stilrichtung, besonders so wundervoll gestaltete wie diese Edition von Kapitän Platte.

Anspieltipps:
Downfall, Are You A Master Too?, Samoyedes

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