Disclosure – Caracal (2015)

Disclosure_Caracal

Disclosure – Caracal
Label: PMR Records, 2015
Format: CD
Links: Discogs, Band
Genre: House, Downtempo

Es ist eine bekannte Leier im Musikgeschäft, aber oft zeigt sich darin auch eine Wahrheit: Nach dem Debüt gestaltet sich für die meisten Musiker das zweite Album besonders schwer. Man muss Erwartungshaltungen erfüllen, bereits erreichte Sphären toppen und alle zufrieden stellen. Und dies innert möglichst kurzer Zeit nach dem Erstling. Somit ist es weiter nicht erstaunlich, dass viele stolpern und sich auf ihrem Weg verlieren. Leider ist dies nun auch dem Duo Disclosure aus England passiert. „Settle“ machte die Herren auf der gesamten Welt bekannt und beliebt, „Caracal“ weiss nun nicht so recht was mit diesen Voraussetzungen anzufangen und stolpert verloren im Club herum.

In der elektronischen Musik sind bekannte Gäste eine wunderbare Möglichkeit, die instrumentale Musik mit Stimmen und Stimmungen aufzupeppen. Die Brüder Lawrence nutzen diesen Umstand auf „Caracal“ und präsentieren aktuelle Sternchen wie Lorde, Sam Smith, Kwabs oder The Weeknd. Eine illustre Runde der europäischen Musikszene, die auch gleich zeigt, zu was sie fähig ist. Die Gäste singen in ihren eigenen Stilen und bringen frischen Wind in die Platte. Die Beiträge sind meist sehr stark und gefallen. Blöd nur, dass Disclosure diesem Umstand wenig entgegenzusetzen wissen. Sie finden oft keinen richtigen Gegenpol zu den Gesängen und die Stücke bleiben auf der musikalischen Seite ereignislos. Ein Ungleichgewicht entsteht, das viele Momente gar langweilig und zäh erscheinen lässt. Natürlich ist auch diese Scheibe modern und wunderbar produziert, doch das rettet auch kein Mittelmass. Downtempo und House bestimmen den Alltag, Soul erhält mit Smith und co. eine Bühne. Diese Kombination klappt toll bei „Nocturnal“ oder „Omen“, oft vergisst man die Lieder aber bereits während des Hörens. Die Brüder üben sich hier, etwas böse gesagt, zu stark an der britischen Zurückhaltung. Warum dürfen nicht auch mal Drumcomputer oder Synth ausschlagen und die Stimmen zurück drängen? Wieso muss alles in das genormte Popformat passen?

„Caracal“ haftet der etwas bittere Geschmack der Konformität an. Irgendwie hat man das Gefühl, das Produzentenduo wollte ein Album erschaffen, das bei allen Hörschichten gut ankommt und auf keinen Fall aneckt. Sicherlich, Hitsingles kann man auf diese weise generieren, einen bleibenden Eindruck wird ihre zweite Platte damit aber nicht erreichen. Alles zieht ereignislos vorbei und eignet sich am besten für Hintergrundmusik. Schade, da wäre mehr möglich gewesen.

Anspieltipps:
Nocturnal, Hourglass, Echoes

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