Jean-Michel Jarre ‎– Electronica 1: The Time Machine (2015)

electronicacover

Jean-Michel Jarre ‎– Electronica 1: The Time Machine
Label: Columbia, 2015
Format: Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Electronica, Techno, Synth-Pop

Der Meister ruft, der Nachwuchs trabt ohne Widerrede an. Warum sonst finden sich Moby, Pete Townshend, 3D, M83, Little Boots, Tangerine Dream, John Carpenter, Laurie Anderson und noch viele mehr gemeinsam auf einem Album ein? Wenn aber eine Legende wie Jean-Michel Jarre zu Tisch, oder besser gesagt Mischpult bittet, dann folgt man diesem Aufruf ohne nachzudenken. Denn seine Musik hat nicht nur Generationen inspiriert, sondern die Electronica auf neue Ebenen katapultiert. Mit „Electronica 1“ nimmt der Franzose nun kurz Abstand vom gängigen Album und schenkt sich selber eine Zusammenstellung.

Jarres Musik hat sich über die Jahre so stark in die Köpfe der Hörer eingebrannt, dass man seine Synths und Keyboards aus tausenden von Alben heraushört. Somit ist es sehr interessant zu beobachten, wie stark die Gastbeiträge Einfluss auf die Musik üben können. Oft drücken die Trademarks von Jarre klar durch und übernehmen den Gast. Spannend ist es immer dann, wenn das Lied den Meister zum eigentlichen Nebenbeitrag macht. Bei „Suns Have Gone“ übernimmt klar Moby das Zepter, das Lied könnte so auch auf einer seiner Platten vorkommen. Dank dieser Wechselwirkung geht die Rechnung oft auf und die Tracks präsentieren sich in einer tollen Atmosphäre. Gerne wird es etwas düster wie bei „Conquistador“, oder gar abstrakt wie „Rely On Me“ mit Frau Anderson. Zwar findet man auch etwas billigen Trance („Stardust“) oder dürftige Ergebnisse bei Boys Noize und Vince Clarke, dies ist aber glücklicherweise der kleinere Teil von „The Time Machine“. Pete Townshend klingt wunderbar mürrisch („Travelator Pt. 2“) und „Watching You“ stellt Massive Attack mit seiner krummen Gangweise nach. Das Album pendelt somit auch zwischen tanzbaren Pophits und hartem Techno, leistet sich aber durchwegs die sphärische Electronica.

Und hier kommt auch die Kritik zu greifen, denn als Gesamtwerk ist die Scheibe einfach zu unstimmig. Der Sammlungscharakter haftet stark an und lässt den Fokus vermissen. Wunderbar sind die Instrumentaltracks, die Kollaborationen mit Tangerine Dream oder Lang Lang. Nur sitzen die etwas verwirrt zwischen krachendem Beat und gesanglichen Handständen. Somit ist „The Time Machine“ eine nette Zusammenstellung, wenn aber auch kein echtes Album. Lust und Vorfreude auf den zweiten Teil macht es aber auf jeden Fall. Nun muss man sich nur noch bis Frühjahr 2016 gedulden.

Anspieltipps:
Glory, Conquistador, The Train & The River

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