Panzerballett – Breaking Brain (2015)

Panzerballett_Breaking Brain_MBohli

Panzerballett – Breaking Brain
Label: Gentle Art Of Music, 2015
Format: CD
Links: Facebook, Band
Genre: Jazz-Rock, Progressive Metal

Leute die 2002 in der Schweiz die Landesausstellung Expo.02 besucht haben, mögen sich vielleicht noch an das Baggerballett erinnern. Mit Baufahrzeugen wurde damals anmutig einen Tanz aufgeführt und somit die harte Technik zu neuer Sanftheit geführt. Panzerballett aus München versuchen seit einigen Jahren und Alben etwas Ähnliches in der instrumentalen Musik. Genau wie ihr Name ist die Gruppe auch bei den Songs und Klangdichtungen rabiat und heftig. Eigentlich absurd, dass „Breaking Brain“ nun auf einem Label namens Gentle Art Of Music erscheint. Wobei, unter all der Wucht finden sich auch schöne Momente.

Einfach macht es uns das Quintett aber nie, denn böse gesagt handelt es sich bei „Breaking Brain“ um ein verkopftes Album für Musikstudenten. Wild und schmerzlos werden Tonleitern abgerast, die Finger rauschen in Lichtgeschwindigkeit über Saiten und Tasten, und Taktwechsel kann man nicht mehr mitzählen. Genau so oft wie die Musik zwischen abgefahrenem Rock und komplexem Jazz pendelt, so oft muss man auch die Gedanken neu ordnen. Wer selber Musiker ist, der kann sich hier eine Schaufel packen und die Strukturen unter all den Notenbergen freischaufeln. Wer sich in der Welt der Musiktheorie aber nie so richtig wohl gefühlt hat, der wird hier zuerst vor den Kopf gestossen. Panzerballett kennen keine Gnade, hämmern auf ihre Instrumente ein, drehen sich in Spiralen um den eigenen Schwerpunkt. Wer sich für „Breaking Brain“ Zeit nimmt und geduldig vor die Stereoanlage setzt, der merkt bald, dass die Band auf diesem Album nicht nur extreme Komplexität präsentiert. Die Lieder machen Spass, sind voller Humor und wagen es auch für gewisse Zeit den Takt zu halten. Wie oben erwähnt finden hier nun zwei Gegenpole zusammen: Pulsierende Anmut und verstörende Abgründe. Dem Talent der Musiker ist es zu verdanken, dass diese Mischung ohne Probleme funktioniert und homogen aus den Lautsprechern hüpft. Ganz toll wird es in den Momenten, in denen bekannte Melodien zerbrochen und neu zusammengesetzt werden. „Pink Pather“ und „Mahna Mahna“ basieren auf den gleichnamigen Melodienfiguren, erweitern diese aber unbeschreiblich.

„Breaking Brain“ ist erneut ein waghalsiges und extremes Musikerzeugnis, bei falschem Konsum kann es Kopfweh und Schwindelanfälle auslösen. Wer sich aber korrekt vorbereitet und sich einzig auf die Lieder konzentriert, den erwarten hier neun wundersame Kompositionen. Panzerballett stellen mit ihrer neusten Platte erneut so manchen anderen Musiker in den Schatten und gewinnen mit ihrem progressiven Ansatz. Einfach ist es nie, muss es aber auch nicht.

Anspieltipps:
Euroblaster, Mahna Mahna, Pink Pather

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s