Liturgy – The Ark Work (2015)

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Liturgy – The Ark Work
Label: Thrill Jockey, 2015
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit Download
Links: Discogs, Band
Genre: Black Metal, IDM, Experimental

Kann Musik den Hörer soweit fordern, bis er körperliche Schmerzen verspürt? Meist ist dies zum Glück nicht der Fall, besonderes wenn man Musik ab Konserve geniesst. Konzerte können dank Lautstärke und Show doch intensiver sein. Und wenn Musik schon schmerzt, dann hört man meist nicht weiter. Ausser, es ist „The Ark Work“ von Liturgy. Die Black Metal Band aus den USA verstörte bereits mit ihrer merkwürdigen Mischung auf „Aesthethica“ und wagt sich nun noch weiter in die Unmöglichkeiten von Stilkreuzungen.

Wenn sich eine Band im Felde des Black Metal positioniert, ist es sehr schwierig an der Musik etwas zu verändern. Dem Genre obliegen klare Grenzen und die Liebhaber sind Hüter mit spitzen Federn. Ändern Musiker die Formel oder wird eine Gruppe zu bekannt, dann ist es nicht mehr wahrer Black Metal, jedenfalls für einige Betrachter. UNTRVE! Somit haben Liturgy seit Jahren einen schwierigen Stand, denn ihre Musik baut zwar auf dieser harten Metal-Art auf, mischt aber noch unglaublich viel Anderes mit rein. So ballern Schlagzeug und Bass wild drauflos, die Gitarren werden so schnell gespielt, dass man seine Hand schon verkrampft an den Körper hält. Durch diese extreme Repetition klingen die Saiteninstrumente oft wie Bläser, eine Disharmonie wie bei einem Dudelsack entsteht. Jaulend und kreischend vollbringen die Musiker so Melodien, bauen Grundgerüste für Angriffe und brechen alles wieder ein. Die Pausenstücke „Follow“ und „Follow II“ verstören mit ihrem Gedudel, ein inhaltsloses Experimentalerscheinen der Elektronik. Aber gerade diese Bauteile vollenden so manches Stück dieses Werks. Die Anteile der intelligenten Tanzmusik bieten Beats, Flächen und Unterstützung des klaren Gesangs. Durch viele Satzwiederholungen werden die Tracks hypnotisch und man kann wie bei einem Unfall nicht wegschauen. Besonders das über elf Minuten lange „Reign Array“ ist einfach nur gewaltig. Aber wer nicht in den ersten Sekunden fasziniert ist, der wird auch für den restlichen Teil des Albums nicht warm damit.

Am Ende sitzt man da, die Ohren dröhnen und der Kopf fühlt sich schwer und träge an. „The Ark Work“ ist eine knappe Stunde Prügelei für die Gehörgänge, Musik, die nicht schön oder einfach ist, aber immer fasziniert. Auch wenn sich nie ganz erschliesst, wie ernst es Liturgy wirklich meinen – ein Witz können solche Lieder nicht sein. Dafür steckt zu viel drin und darum ist das Album einfach nur toll, auf total verstörende Weise. Nur für Wagemutige.

Anspieltipps:
Follow, Quetzalcoatl, Reign Array

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