Live: U2, The O2 London, 15-10-29

U2_London_Mbohli

U2
Donnerstag 29.10.2015
The O2, London
Setlist

Ende. Nach sechs Konzerten, in vier Städten, in drei Ländern, in zwei Monaten, für eine Band, ist meine U2-Reise beendet. Wie immer ging alles viel schneller vorbei als gehofft und gedacht, was nun bleibt sich unzählige Erinnerungen, Momente und Begegnungen. Und eine gewisse Leere im Herzen, denn schon jetzt vermisse ich es den Shows der „innocence + experience“ Tour beizuwohnen und mit den vier Männern aus Irland zu singen, tanzen und feiern. Dass es 2016 gerüchteweise in Europa mit weiteren Auftritten weiter geht, hilft in solchen Situationen. Und natürlich der Umstand, dass mein Bankkonto nun ziemlich leer ist. Aber Geld war bei solchen Dingen schon immer eine (nicht unwichtige) Nebensache.

Es ist nun an der Zeit, noch einmal zurück zu schauen und das Erlebte in Worte zu fassen. Obwohl ich nach Turin, Berlin und Köln für mein letztes Konzert in London keine grossen Überraschungen mehr wartet habe, stellte sich die Wahl der dritten von sechs Darbietungen in der Themsestadt als perfekte Wahl heraus. Nicht nur durfte ich der Band lauschen wie sie „Gloria“ als zweiten Song und „New Year’s Day“ auf der E-Stage dargeboten haben, nein sogar „Bad“ wurde im Zugabenblock gespielt. Eine erstaunliche Wahl, besonders da dieses Stück oft nur beim Abschluss einer längeren Auftrittsreihe an einem Ort gewählt wird. Der wahre Knüller folgte aber nach „Bad“, denn die Gruppe bat Patti Smith auf die Bühne und begleitete sie für den Song „People Have The Power“. Was für ein Moment, was für ein Triumph. Das Lied von Frau Smith dient U2 auf der aktuellen Tour als Einlaufsong, und hier in London kam es nun zu einer Huldigung der besonderen Art. Dies übertraf sogar den Umstand, dass Noel Gallagher und Bonos Frau Ali Hewson im Publikum waren. Eine einmalige, unvergessliche Sache!

Für immer in meinem Kopf werden auch weitere Momente dieser Abende bleiben. So haben es die Musiker geschafft, alte und neue Lieder genial zu verbinden. Songstrukturen zu erweitern und mehrere Stücke ineinander zu verweben. Besonders der heftige Schluss von „Bullet The Blue Sky“ der in das unglaublich sanfte „Zooropa“ übergeht, dann mit Bonos genialer Aussage „I’m not dangerous, I’m in danger“ in „Where The Streets Have No Name“ überleitet. Gänsehaut, Tränen, Euphorie. Unfassbar, wie hier aktuelle Themen wie die Flüchtlingskrise oder europäische Aussenpolitik in Lieder eingewoben werden, die seit Jahrzehnten existieren. Erschreckend auch, dass die Grundaussagen immer noch aktuell sind und das Leiden auf der Welt nie kleiner geworden ist.

Besonders „Bullet…“ nimmt in diesem Punkt eine wichtige Rolle ein. Eigentlich eine Streitschrift gegen den Einmarsch der Amerikaner in Salvador 1980, bildet es nun das Fundament für die Kritik von U2 an den aktuellen Kriege und den daraus resultierenden Asylgesuche. Und Kritik an Bonos eigenem Verhalten, sowie seinem Wohlstand. „And this boy comes up to me / His face red like a rose on a thorn bush / And he looks a lot like… me“. Dieser Änderung der eigentlichen Zeilen mündet in Hinterfragung des eigenen Lebens, des Überflusses und des Umgangs mit Ruhm, untermalt mit heftigen Bildern der Medien auf dem riesigen Bildschirm. „Can you see those fighter planes / while flying in you privat plane“. Alle Gegner und Freunde von Bono sollten diesen Moment einmal erlebt haben.

Genau so wichtig ist die von Stephen Hawking präsentierte Botschaft über die globale Einheit. Wir Menschen sind eine Spezies und leben auf einem Planeten. Wer nicht alle als gleich sieht und behandelt, der liegt falsch und ist ein Unmensch. Wir müssen gemeinsam denken und handeln, uns gegenseitig unterstützen und die Zukunft gestalten. Reisen wir doch alle dahin, und wollen nicht an einem zerstörten Platz landen. Für mich ist dieses soziale und empathische Denken extrem wichtig, die Konzerte haben mich nur noch in meiner Haltung bestärkt. Alle Leute in meinem Umfeld die nicht so denken, sich mit rechtem Gedankengut anfreunden oder Menschen rassistisch und intolerant behandeln, die können sich alle verpissen. Ich will nie mehr mit euch reden, keine Sekunde mit euch verbringen und keinen Funken Energie an euch verschwenden. Verschwindet in einer Höhle, haut ab, lasst uns alle in Ruhe. Ihr seid nicht die Zukunft, ihr seid das Mittelalter. Dunkel und hoffnungslos, überholt und bestialisch.

Natürlich hab ich auch an meinem letzten Konzert viele neue Freunde gewonnen, dieses Mal aus Slowenien, Irland und der Stadt London selber. Es war ein wunderschöner Abend, ein perfektes Konzert, es war Humanität. Wer begleitet mich 2016 nach Zürich?

London_1_MBohli  London_2_MBohli

Advertisements

3 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s