Envy ‎– Atheist’s Cornea (2015)

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Envy ‎– Atheist’s Cornea
Label: Rock Action, 2015
Format: Vinyl mit Download
Links: Discogs, Band
Genre: Post-Rock, Hardcore

Musik lässt sich auf der gesamten Welt finden, und doch beschränkt man sich als Hörer oft auf gewisse bekannte Gebiete. Sicherlich, diese Auswahl wird auch durch das Angebot beschränkt, so verliert sich hier selten eine Gruppe aus Mikronesien in die Regale. Auch Japan ist für mich ein eher unbeschriebenes Blatt, Envy hingegen lernte ich schnell durch diverse andere Post-Rock Bands kennen. Das Kollektiv existiert seit 1992 und war ursprünglich dem Hardcore zuzuordnen. Mit der Zeit erweiterten sie ihr Spektrum immer mehr durch schwelgerische, instrumentale Musik, kehren jetzt aber in die harten Gebiete zurück.

„Atheist’s Cornea“ erschien auf dem schottischen Label Rock Action und beendet die Wartezeit von fünf Jahren, die seit dem letzten Werk „Recitation“ ins Land gezogen sind. Bereits beim ersten Lied „Blue Moonlight“ ist gleich klar, dass Envy sich auf diesem Album nicht neu erfinden werden. Die bekannte Mischung aus gemächlicher Songentwicklung und wilden Ausbrüchen bleibt bestehen, das Klangbild wird vor allem durch die Gitarre dominiert. Es mutet zwar etwas wie Stillstand an, die Gruppe ist aber versiert genug, um aus der Formel noch immer aufregende Musik herauszukitzeln. In acht Stücken werden die Stilrichtungen geschickt vermischt und einander gegenübergestellt. Lieder fliessen langsam dahin, wachsen und schichten sich auf, nur um dann immer wieder durch Breaks oder Explosionen durchgerüttelt zu werden. Auch die Texte werden in dieser bipolaren Art präsentiert. Oft werden die Zeilen als Sprechgesang schier geflüstert, nur um den Hörer mit lauten Schreien und Eruptionen aufzuschrecken. Dank diesen Gegenpolen entfernt sich die Musik von den Klischees des typischen Post-Rock, erreicht aber nie die Gewalt des reinen Hardcore (wenn auch fast, wie bei „Two Isolated Souls“). Besonders das Schlagzeug ist unzähmbar, ausser die Japaner lassen es weg und driften in den düsteren Ambient. Dank toller, epischer  Melodienführung werden die Momente des Weltuntergangs immer wieder ins Licht geführt und die Scheibe erhält eine weitere Dimension.

Das neuste Album von Envy ist toll geschrieben und ausgeführt, lässt mich aber am Ende mit einem etwas durchmischten Gefühl zurück. Sicherlich, Qualität und Talent ist da, aber es fehlt der entscheidende Unterschied zu den Vorgängern. Eine Musikgruppe kann nur für eine gewisse Zeit ihre Veröffentlichungen ohne Veränderung präsentieren, ohne die Hörer zu langweilen. Envy sind immer noch eine gute Adresse für alle Freunde des harten Post-Rock, sollten sich in Zukunft aber Gedanken über eine klangliche Veränderung machen. Wirklichen Reiz noch weitere, gleiche Alben zu kaufen, verspüre ich nicht mehr.

Anspieltipps:
Shining Finger, Footsteps In the Distance, Two Isolated Souls

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