Mueller_Roedelius – Imagori (2015)

Mueller_Roedelius - Imagori

Mueller_Roedelius – Imagori
Label: Grönland, 2015
Format: Download
Links: Discogs, Roedelius, Müller
Genre: Electronica, Ambient

In der elektronischen Musik ist es eine Tatsache, dass sich Künstler und Helden immer wieder in neuen Kollaborationen zusammenschliessen. Ob es dabei bei einem Album bleibt oder aus dem Projekt eine langjährige Band wird ist egal, denn meist überwiegt die Qualität der Musik solchen Fragen. Nun haben sich auch zwei Grössen zusammengetan, um der Welt ein wunderbares Album voller Klavier getriebener Electronica zu schenken. Hans-Joachim Roedelius und Christoph H. Müller zeigen gemeinsam ihre Stärken auf „Imagori“, und veredeln somit ihren Legendenstatus.

Beschwingt wandelt „Imagori“ auf zwei Pfaden zugleich und kippt dabei in eine gefährliche Schräglage. Obwohl die Herkünfte der beiden Musiker sehr unterschiedlich sind, vermischen sich ihre Herangehensweisen ohne anzuecken. Roedelius bringt die Grenzenlosigkeit, stand seine Musik doch schon immer für dahin fliessende Tracks ohne Standardstrukturen. Eine Präsentation, die zum verlieren und versinken einlädt, eine Musikart, die Grenzen niederreisst und schon vor Jahrzehnten Revolutionen auslöste. Auf „Imagori“ trifft diese beflügelte Mischung aus Kraut, Ambient und Experimentalelektronik nun auf geregelte Musik und viel Piano. Müllers Schaffen zeugt meist von klaren Liedern mit nachvollziehbarem Aufbau, er erarbeitet die Stützen und Träger für verspielte Melodienläufe und Geräuschexperimente. In Stücken wie „Time Has Come“ umgarnen sich diese Stile nun wie Ranken, stossen sanft aneinander und ergänzen sich wunderbar. Das Klavier gibt die Geschwindigkeit an, legt Klangteppiche und wird von sanften Beats und Klangverzerrungen unterstützt. Es entstehen somit unaufgeregte Lieder, die sich zwar zwischen zwei Stühle setzen, aber nie unfertig daher kommen. Deutschland war schon immer für Tüfteleien gut, auch hier zeigt sich der Erfindergeist der beiden Herren. Müller wuchs zwar in der Schweiz auf, stammt aber aus unserem Nachbarsland. Und für ihn stellt diese Zusammenarbeit eine Rückkehr in das Genre der Elektronik dar, meist instrumental und mit wenigen Sprachsamples unterlegt. Grossartige Ausnahme ist „About Tape“, ein wunderbares Stück in dem Brian Eno auftreten und über die Aufnahmevariante mit Band referieren kann. Die Musiker zerlegen seine Aufnahme und verwenden es wie einen weiteren Synthlauf.

Was oft wie eine Meditationsübung erscheint und den Hörer sanft in Klangwolken bettet, ist eine wunderbare Platte der zeitlosen, elektronischen Musik. Freunde des Klaviers werden an den Liedern sofort gefallen finden, Liebhaber der Deutschen Electronica können viele Querverweise auf das Schaffen von Roedelius und Müller entdecken. „Imagori“ beweisst, dass auch Zusammenarbeiten zwischen unterschiedlichen Gedankenwelten prächtig aufgehen können. Ein wunderbares Album für den Herbst, ein passender Begleiter für gemütliche Abende im Wohnzimmer.

Anspieltipps:
Time Has Come, About Tape (Feat. Brian Eno), Origami

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