Fünf Buchvorsätze / Challenge 2015 – Endresultat

Am 13. Januar 2015 habe ich auf diesem Blog mir fünf Bücher vorgenommen, die ich 2015 endlich lesen möchte. Knapp neun Monate später ist dieser Vorsatz geschafft und erfüllt, ein gutes Gefühl. Soweit ich mich erinnern kann, ist dies mein erster Neujahresvorsatz den ich mir aufhalse und dann auch einlöse. Darum werde ich auch 2016 diese Herausforderung wiederholen, Nachahmer und Teilnehmer sind erwünscht. Wem dies noch zu wenig ist, der kann zusätzlich am Stephen King Projekt 2016 teilnehmen. Hier nun aber zuerst meine fünf kurzen Besprechungen des Vorsatzes, in gelesener Reihenfolge.

Bücher_Vorsatz_MBohli

1. Hermann Hesse – Siddharta
Sei nicht gierig, sei nicht unfair, sei nicht oberflächlich – sei gut.
Die Grundaussagen von „Siddharta“ sollten jedem Menschen klar sein und nichts neues darstellen. Trotzdem ist es immer wieder bereichernd, solche Schriften zu lesen. Hermann Hesse will mit seiner indischen Dichtung weder belehren noch bekehren. Er verpackt die Geschichte des weisen Buddha neu und erschuf dabei einen Menschen, der eine noch grössere Erleuchtung als der Gott selber findet. Ob dies nun Blasphemie darstellt ist irrelevant, denn das Gute und Weise steckt in jedem Menschen, in jedem Tier, ja in jedem Gegenstand.
Wer mit offenen Augen und solidarisch durch die Welt wandelt, dem sollten die Worte im Buch nicht unbekannt sein. Grösser ist der Effekt wohl bei Teenagern oder Starsinnigen. Trotzdem: Positiver war Hesse nie.
Das Buch auf Goodreads.

2. Charles Lewinsky – Melnitz
Faszinierende Familiensaga über die Juden Meijer und ihr Tun in der Schweiz zwischen 1870 und 1945. Lewinsky versteht es genial, die gesellschaftlichen und politischen Strömungen einzuflechten und auch sprachlich die Wandlung abzubilden. Man erfährt viel über die Mentalität der Schweizer und den Umgang mit Rassen und Kulturen, und kann auch Rückschlüsse auf aktuelle Geschehnisse ziehen.
Trotz der Länge wird das Buch nie mühsam und liesst sich immer angenehm schnell.
Das Buch auf Goodreads.

3. T.C. Boyle – When The Killing’s Done
„When The Killing’s Done“ betrachtet den Umgang mit der Natur aus einer interessanten und sehr aktuellen Perspektive. Hin und her gerissen zwischen Meinungen und Lebensweisen müssen wir uns Überlegungen anstellen und alltägliche Handlungen wie Ernährung neu definieren. Prallen nun zwei konträre Denkensweisen aufeinander, bietet dies Potential für Konflikt. So will im Buch von T.C. Boyle eine Frau (Studierte, Karnivor, sympathisch) die Natur auf einer Inselgruppe retten in dem sie Invasoren ausrottet, ihr Gegenspieler (Veganer, Aktivist und Arschloch) versucht das sinnlose Töten mit allen Mitteln zu verhindern. Die Lage spitzt sich immer mehr zu, wer wird am Ende Recht behalten?
Was sehr tiefsinnig klingt, stellt sich im Verlauf der Geschichte allerdings als etwas zahnlos dar. Auf die grundlegenden moralischen und ethischen Fragen wird nicht eingegangen, die Sympathiewirkung der Figuren zwar verdreht, aber als nebensächlich betrachtet. Das Buch bleibt somit hinter seinem Potential zurück und ist schlussendlich nur ein grossartig geschriebener Thriller mit spannenden Aspekten.
Das Buch auf Goodreads.

4. Salman Rushdie – Der Boden Unter Ihren Füssen
Lange lag das Buch ungelesen im Regal. Gekauft hatte ich es mir damals eigentlich nur, weil U2 aus einer Textpassage einen Song gebastelt haben („The Ground Beneath Her Feet“ vom Million Dollar Holte OST). Doch Salman Rushdie gilt nicht umsonst als wichtiger und grossartiger Autor. Denn auch diese Geschichte um die Fiktive Band VTO und die Dreiecksbeziehung zwischen dem Duo in der Band und einem Fotografen ist lyrische Reichhaltigkeit vom Feinsten.
Rushdie lässt die Erzählung und gewählten Sätze genial ineinander fliessen, offenbart ein schier endloses Wissen der menschlichen Geschichte und Sagen, und vollendet das Buch mit glaubwürdigen Beschreibungen der Musik. Manchmal etwas sehr blumig und über zu viele Umwege, doch gegen Ende verdichtet sich alles zu einer erdrückenden Intensität. Unbeschreiblich. Und jetzt will ich mir „Earthquake Songs“ anhören!
Das Buch auf Goodreads.

5. Peter Singer – Praktische Ethik
„Praktische Ethik“ ist ein Standardwerk in der ethischen Lehre. Peter Singer behandelt ausführlich die Grundfragen, welche sich beim Thema Moral und Ethik stellen. Dank der leicht verständlichen Schreibweise ist das Buch auch für Einsteiger und nicht Gelehrte geeignet. Grundsätzlich ist die Auseinandersetzung mit diesen Gedanken ein Muss für jeden Menschen, der sein Leben besser verstehen und führen möchte.
Somit spricht eigentlich nichts gegen das Buch, das hier von mir auch empfohlen wird. Warum ich aber nur mässig zufrieden bin, liegt an dem utilitaristischen Standpunkt Singers. Seine Argumente und Schlussfolgerungen basieren auf dieser philosophischen Strömung, mir der ich nicht konform gehen kann. Meine Ergebnisse widersprechen somit seinen und ich empfinde Singers „absolute“ Resultate als falsch. Trotzdem, interessant und lehrreich.
Das Buch auf Goodreads.

Was denkt ihr?

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