Fehlfarben – Über… Menschen (2015)

fehlfarben

Fehlfarben – Über… Menschen
Label: Tapete Records, 2015
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Post-Punk, New Wave

Manchmal ist es schon verwunderlich, wie lange man gewisse Bands vom Namen her kennt und ähnlich klingende Gruppen leidenschaftlich hört, aber sich nie an weitere ran traut. Fehlfarben aus Düsseldorf in Deutschland ist ein solcher Kandidat, denn Name und Bedeutung in der Musikgeschichte ist mir bewusst, doch ein Album fehlte in meiner Sammlung. Wieso diesen Umstand also nicht mit der neusten Platte „Über … Menschen“ ändern? Die Musiker rund um Peter Hein beweisen schliesslich auch im Jahr 2015, dass ihre kritischen Stimmen weiterhin in unser Umfeld gehören.

Was bei den Liedern von Fehlfarben immer dominiert, ist Heins Gesang und seine Texte. Ohne sich wirklich darauf zu fokussieren, überlagern die Aussagen und Parolen das Instrumentarium, ohne aber aufdringlich zu wirken. Punk, oder im diesem Falle Post-Punk, verwendete die Sprache schon immer als wichtiges Mittel um Botschaften zu überbringen. Fehlfarben greifen mit ihrem elften Studioalbum aber nicht mehr bissig an, sondern betrachten die Welt wie sie heute geworden ist: Zynisch, moderner und kein Stück gerechter. Oder spielt einem da das Alter einen Streich? Denn Menschen, die seit 1979 gemeinsam musizieren, sind in der Zwischenzeit nicht jünger geworden. Somit gelten die satirischen Kommentare auch vor allem der Band selber, man kommt mit der aktuellen Gesellschaft nicht mehr immer klar. Technologie nimmt überhand, trotzdem verkommt die Allgemeinheit zur Egalität im Konsum und Spass. „Ich brech’ doch keinen Streit vom Zaun mit Generationen, die sich eh nichts trau’n.“ oder „Die Zukunft liegt beim Komitee, das Klick für Klick sagt, was nicht geht“. Der Texter bleibt dabei immer im Zweifel, was nun wahr und konkret ist, selten werden klare Anschuldigungen gemacht, so wohlwollend waren Fehlfarben selten. Dies zeigt sich auch bei der Musik, denn was hier alles in den bunten Topf geworfen wird ist beachtlich. Erinnern die punkigen Stellen an Nina Hagen oder Baby Jail, findet man auf „Über … Menschen“ auch elektronische Beats, Funk, Pop oder minimalistischer Wave mit Schunkelmelodie. Die fertige Melasse ist ein Wechselspiel aus Populärmusik und Antihaltung, gerne mit Augenzwinkern und Ohrfeige in einem. In all diesen Brüchen vermisst man zum Teil zwar den roten Faden oder die echte Wut, erhält als Gegenleistung dafür ein Werk mit viel Grundsympathie.

Fehlfarben beweisen auf ihrer neusten Scheibe gleich mehrere Dinge: Die Musiker darf man noch lange nicht abschreiben, trotz des fortschreitenden, aber würdevollen Alters. Der Aufstand wurde zwar verschoben, zufrieden sind wir trotzdem nicht. Musik ist ein Spielfeld ohne Regeln, da kann man auch bei jedem Lied neue Stilrichtungen zerstören. Dies alles führt zu einem Werk, das unterhält und nicht nur alte Hasen des Antipop vergnüglich kichern lässt. Nehmt das, ihr Rotweingeniesser und Appanbeter.

Anspieltipps:
So Hatten Wir Uns Das Nicht Vorgestellt, Sturmwarnung, Das Komitee, Urban Innozenz

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Ein Kommentar

  1. So. Etwas verspätet zum Post, aber recht aktuell kann ich vom Konzert in Stuttgart berichten, welches famos fabulös war. „Wir sind so gut dass wir uns dafür schämen“, herrlich. Und sie haben sogar „Es geht voran“ gespielt, damit hatte ich nicht gerechnet, wäre aber nicht nötig gewesen. Die ’neue‘ Musik zieht gut.
    Toll wars.

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