Apparat – Multifunktionsebene / Tttrial And Eror / Duplex (2015)

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Apparat – Multifunktionsebene / Tttrial And Eror / Duplex
Label: Shitkatapult, 2015
Format: 3 x Vinyl im Schuber
Links: Discogs, Künstler
Genre: Electronica, Ambient

Die meisten Musikhörer und Leser werden Sascha Ring, alias Apparat, wohl erst seit wenigen Jahren kennen. Besonders mit den zwei Alben „Walls“ und „The Devil’s Walk“ bezauberte er die Massen mit seiner eigenen Mischung aus elektronischer Musik und melancholischem Pop. Der Zusammenschluss mit Modeselektor zu Moderat zimmerte ihm endgültig einen Thron im Musikhimmel. Auch ich selber kannte das Frühwerk von dem DJ und Produzenten bisher nicht. Die wunderbare Neuauflage seiner ersten drei Scheiben durch Shitkatapult ist somit die beste Möglichkeit, diesen Umstand zu verändern.

Wer auf den wunderbar nerdig betitelten Platten nun aber emotionale und mitreissen Musik erwartet, die auch im unabhängigen Radio und an einem Festival nicht fehl am Platz wäre, der wird umdenken müssen. Die Anfänge von Apparat sind hoch technisch, verschroben und oft gerne kaputt. Man fühlt sich wie ein Staubkorn, das zwischen Leiterplatten und Dioden dahinschmort und schlussendlich in Rauch aufgeht. An jeder Ecke blubbert, fiept und knistert es. Die Synths wurden von Ring so weit verfremdet, dass ihre Klänge nicht nur weltfremd, sondern gerne mal ausserirdisch klingen. Programming und Beatkonstrukte verhalten sich unberechenbar und wagen sogar Schritte in die tiefpsychedelischen Welten eines Amon Tobin oder Aphex Twin. Komplexität stellt sich mit ernster Stirn der Repetition von elektronischer Musik entgegen, und gewinnt den Starrwettweberb auf „Tttrial And Eror“ (sic!). Obwohl diese Scheibe nur knapp 30 Minuten dauert, und somit eher eine EP ist, lässt sich in den sieben Tracks unglaublich viel ent- und aufdecken. Hobby-Detektive schlucken ihre Pille, polieren das Ohr und schon geht der Spass los. Leute mich schwächeren Gemütern empfehle ich, zuerst das Debüt „Multifunktionsebene“ zu verarbeiten. Apparat nahm sich komplexe Algorithmen zu Hilfe und erstellte mit deren Vorgaben karge und doch sexy Electronica. Minimalistisch zeigen die Stücke auf, wie es kurz nach der Jahrzehntenwende in Deutschlang klang. Viel Fett hängt nicht an den Melodien und Gerüsten, braucht es aber auch nicht. Teilweise sind die Lieder dem Ambient nicht fern und rauschen nachdenklich vor sich hin.

Den klärenden Übergang zu seinen späteren Veröffentlichungen gelingt dann aber mit „Duplex“. Die Scheibe vermengt den zurückhaltenden, elektronischen Lebensstil mit den ersten Anzeichen von Pathos und Gestik. Blasinstrumente wagen sich zwischen die Beatspuren, der Klangraum explodiert auf Stadiongrösse – behält dabei aber die Intimität der Kammermusik. Somit erschuf Apparat eigentlich das Gegenteil der Musik, die man als junger Mann im Clubbingalter bevorzugt. Kein prolliger Wums und keine falsche Fassaden. Was hier zu hören ist bleibt ehrlich und herzensgut. Der Gesang fehlt noch, wird bei solch grossartigen Kompositionen nicht vermisst. Mit „Duplex“ lassen sich bereits die kommenden Jahre heraushören, ohne aber die eigene Herkunft oder der Beginn zu verleugnen.

Diese wunderbare Neuauflagen der ersten drei Apparat-Veröffentlichungen hat nur eines Verdient: Lob und Bewunderung. Was Herr Ring in den Jahren 2001 bis 2003 produziert und aufgenommen hat, ist ein Kaleidoskop aus Mikrochips, Drähten und verschobenen Wahrnehmungen. Was in seinem Spätwerk nur noch selten voll zur Geltung kommt, nämlich die Liebe zur totalen Klangbastlerei und dem fanatischen Knöpfchendrehen – dies wird hier bis zum Exzess ausgelebt. Obwohl man als Hörer oft die leitenden Strukturen und den Wohlklang suchen muss, befriedigen diese drei Werke vollends. Wer minimalistische Electronica mit Deutschem Flair mag, der wir diese Sammlung lieben.

Anspieltipps:
Distance, Pressure, Shutdown, Contradiction

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