Riverside – Love, Fear And The Time Machine (2015)

Riverside - Love, Fear And The Time Machine_MBohli

Riverside – Love, Fear And The Time Machine
Label: Inside Out, 2015
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit CD
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Rock

Nachdem ich meine liebste polnische Progressive Rock-Band bereits im Sommer auf der Loreley in echt erleben durfte und von ihrem Auftritt sehr begeistert war, folgt nun endlich das neue Material. Hinter dem wunderbaren Titel „Love, Fear And The Time Machine“ verbirgt sich eine musikalische Mischung, die solch viele Worte auf dem Cover rechtfertigt. Das neuste Album von Riverside ist allerdings kein klares Meisterwerk, sondern ein scheuer Geist, durch den man vorschnell hindurchschaut. Die Essenz geht einem jedoch durch die Lappen.

Die Lieder, die Musik, die Klanggestaltung, alles erscheint zuerst zaghaft und bekannt. Die Gruppe mischt ihrer bekannten Tonmenge nichts Neues bei und hantiert geschickt mit Merkmalen und Eigenheiten. Die hübsche Melancholie ist genau so vorhanden wie die dröhnenden Orgeln und Gitarrensoli, bestehend aus wenigen Noten. Gesanglich zeigt sich Mariuz Duda erneut von seiner besten Seite, wagt sich an hohe Spuren und festigt seine Stellung als möglicher Lieblingssänger. Trotzdem, man fühlt zu Beginn etwas Enttäuschung und ertappt sich beim Gedanken, die Erwartungen zu hoch geschraubt zu haben. Das Album diene hervorragend beim einschlafen, der neue Prog-Meilenstein scheint es nicht zu sein. Wenn man sich längere Zeit mit „Love, Fear And The Time Machine“ beschäftigt, vergisst man glücklicherweise diese Ersteinschätzung. Denn hinter der freundlichen Fassade lauert ein Werk, das eine erwachsene und gefestigte Band präsentiert. Riverside haben sich für ihre neuste Platte nicht nur mit der eigenen Vergangenheit beschäftigt, sondern ihre Musik so weit perfektioniert, dass die Nuancenverschiebung grössere Wirkungen offenbart als extreme Taktwechsel. Einzelne Melodienbögen und Momente wachsen ans Herz, die Lieder sind plötzlich wunderschön und bleiben für mehrere Tage im Kopf hängen. Und wenn sich die Musiker dann doch trauen und ein Stück instrumental immer weiter steigern (wie in „Saturate Me“), dann sorgt dies für extrem intensive Momente. „Discard Your Fear“ bietet mit seinem grossartigen Basslauf und dem faszinierenden Einstieg sogar einen möglichen Hit.

Die Songs rund um die Zeitmaschine vermengen sich zu einem Album, das an Schönheit nur so strahlt. Eine Eigenheit, die im New Prog nicht selbstverständlich ist und gerne an den Wirkungsstil eines Steven Wilson erinnert. Es ist für mich somit schwierig, dem Album klare Momente zuzuschreiben. Die Musik vermengt sich zu einem fliessenden Ganzen, ergänzt sich selber mit leisen und wilden Stellen und sorgt für viel Respekt. Denn nicht immer wagen sich Gruppen an solche Werke, die nur bei genauer Betrachtung funktionieren. Riverside meistern diese Hürde aber ohne Probleme.

Anspieltipps:
Lost (Why Should I Be Frightened By a Hat?), Saturate Me, Discard Your Fear

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