Live: Ryan Bingham, Bogen F Zürich, 15-10-11

Ryan Bingham Sons Of Bill_MBohli

Ryan Bingham
Support: Sons Of Bill
Sonntag 11.10.2015
Bogen F, Zürich Hardbrücke
Bilder: Mischa Castiglioni, Cornelia Hüsser

Ein halbes Jahr ist es her, da fand ich mich im Bogen F in Zürich ein, um dem amerikanischen Musiker Ryan Bingham zu lauschen. Wer hätte gedacht, dass sich so schnell erneut eine Gelegenheit bietet, nun sogar mit Bandunterstützung. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen und wanderte nach dem Besuch der „The Art Of The Bricks“ Ausstellung in den Viadukt. Da es sich um ein akustisches Zusatzkonzert handelte, war das Lokal glücklicherweise nicht zum Bersten gefüllt – beste Voraussetzungen für einen gemütlichen Sonntagabend. Mit einem kühlen Bier ausgestattet nahmen wir in der zweiten Reihe unsere Positionen ein und durften die Vorband in Greifnähe erleben.

Sons Of Bill zeigten sich in reduzierter Besetzung, drei Brüder an Gitarren und Keyboard. Ihre wunderbaren Lieder waren hochemotional und eine gesunde Mischung aus Country, Pop und alternativem Rock. Schnell war die Stimmung im Publikum sehr gut und die Musiker wagten sich an unterhaltsame Ansagen und Anekdoten. Trotz des tiefen Alters der Brüder war das Konzert kurzweilig, routiniert und die Songs zeugten von echtem Talent. Da kann sich ein Elternpaar aber stolz auf die Schultern klopfen, so was Erfrischendes hab ich schon lange nicht mehr erlebt. Nach nur dreissig Minuten war ihr Auftritt leider schon zu Ende, doch Ryan wollte schliesslich auch noch ran. Die Mannen bezogen Position am Merchandisestand und unterhielten sich ausgiebig mit den Besuchern.

Und dann der magische Moment: Ryan Bingham und seine Band betreten die Bühne, bewaffnet mit akustischen Gitarren, Bass, Violine und Schlagzeug. Ohne grosse Reden startete gleich das Set mit einer Mischung aus neuen und älteren Liedern. Die Darbietung war, wie immer bei Ryan, warmherzig, emotional und einfühlsam. Seine raue und wunderbare Stimme verführt, die Musik lässt nicht mehr los. In kurzen Liedern erzählt er von seinem Leben, seinen Verlusten, seinen Freunden und dem Alltag in New Mexico. Die Melodien drücken immer genau die gewünschte Stimmung aus, und erklären auch nicht Englisch sprechenden Menschen den Inhalt. Man darf lachen, zustimmend nicken oder traurig die Tränen wegwischen, künstlich ist es nie. So vergeht die Zeit wie im Fluge, man nimmt Coversongs unter die Arme und schreitet glücklich voran. Die Cowboystiefel sind voller Staub, die Stimme aber immer zum Mitsingen bereit. Bei „Broken Heart Tattoos“ schliesst sich dann der Kreis, der im Februar geöffnet wurde. Hatte Herr Bingham damals noch glücklich verkündet bald Vater zu werden, konnte er nun stolz sein erstes Kind besingen. Das ging nicht nur ihm nahe, sondern zeugte von seiner Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.

Mit schnellen Countrysongs und langsamen Folkliedern ging es leider bald dem Konzertende zu, doch als besonderes Geschenk liess Ryan zum Abschluss noch einmal alle Musiker miteinander ein paar Stücke intonieren. Acht Menschen an Instrumenten und Mikrofone sangen zusammen mit den Zuschauern zwei Lieder. Die Geige fidelte, die Gitarren schrummten, das Schlagzeug polterte. Es war schön, lebensfroh und grossartig anzuhören. Solche Abende sind nicht nur Konzerte, sie sind der Grund, wieso ich Musik so liebe und nie genug kriege. Bingham hat Zürich zum wiederholten Male verzaubert. Bis bald!

Ryan Bingham_Zürich_MBohli  Sons of Bill_Bogen F_MBohli

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