Tears For Fears – The Seeds Of Love (1989)

Tears For Fears_Seeds Of Love_MBohli

Tears For Fears – The Seeds Of Love
Label: Fontana, 1989
Format: CD
Links: Discogs, Band
Genre: Pop, New Wave

Nach dem kolossalen Erfolg mit ihrem zweiten Album „Songs From The Big Chair“ war es für Tears For Fears nicht einfach, ohne Belastungen weiter zu machen. Sollte man sich auf die Hitformel berufen und mehr vom Selben veröffentlichen? Oder doch andere Aspekte wagen? Die zwei Engländer Curt Smith und Roland Orzabal entschieden sich für einen Mittelweg, der unaufgeregt und beruhigt begangen wird. „The Seeds Of Love“ ist unscheinbar, aber genau hinter dieser Fassade lauert ein wunderbares Popalbum der Achtziger.

Grosse Gesten bietet gleich der Auftakt mit „Woman In Chains“: Hall, mehrere Sänger und Sängerinnen, Synthflächen und das Präsentationsvolumen einer Kathedrale. Das Jahrzehnt war nicht für seine Zurückhaltung in den Klangkonstruktionen bekannt, und die Band schöpft auch auf diesem Album gleich aus den Vollen. Positiv zu bemerken ist hierbei, dass den einzelnen Liedern genügend Zeit zur Entfaltung gegeben wurde. Es findet kein überhastetes Ausblenden nach knappen vier Minuten statt, nein die Lieder dauern gerne bis zu acht Minuten an und schwelgen in ihren Strukturen. Langeweile oder Überdruss konnte vermieden werden, gerade mit diesen ungezwungen Stellen reizen die Musiker. So erhalten die Instrumente Platz für Solis, die Musik darf sanft werden und sich langsam aufbauen – Höhepunkte werden wunderbar verlängert. Das resultiert zwar in einer kleinen Hitdichte, nebst „Advice For The Young At Heart“ konnte wohl kein Song auf der ganzen Welt die Hitparaden stürmen, versprüht aber umso grössere Faszination. Mit Chorgesängen hält nicht nur Soul und Gospel bei „Badman’s Song“ Einzug, sondern Euphorie und Glück. Das Album begleitet den Hörer an sonnige Plätze und zeigt auf, dass auf der Erde nicht nur Leid existiert. Ob nun Ratschläge an Junggebliebene oder Liebessamen verteilt werden, die musikalische Begleitung ist locker und fällt oft nicht auf. Das Album ist somit nie aufdringlich, sondern schleicht sich langsam in dein Bewusstsein. Was zu Beginn nicht möglich schien, ist nach mehreren Hördurchgängen klar. „The Seeds Of Love“ ist eine Platte, die wächst und bald zu den persönlichen Favoriten gehört, ein Kandidat für die einsame Insel. Gerade weil die Lieder nicht typische Hits sind, wird man der Musik nicht überdrüssig.

„The Seeds Of Love“ klingt wie ein Amalgam aus bekannten Künstler der 80er: Manfred Mann’s Earth Band, Simple Minds, George Michael und so weiter. Typische Eigenheiten von Tears For Fears werden eher rar eingesetzt, das Werk verkommt aber nie zu einer Kopie von Vorgaben. Es distanziert sich von den restlichen Alben der Band mit einem grossen Selbstbewusstsein und glitzert bis heute kräftig in der Sonne.

Anspieltipps:
Badman’s Song, Advice For The Young At HeartYear Of The Knife

Advertisements

3 Kommentare

  1. hach, ich weiss noch damals, als ich zum ersten mal in der sonntäglichen drs3-hitparade sowing the seeds of love gehört habe. so ein tolles lied. und ja, so eine tolle platte

  2. Ich liebe die Singles von Tears For Fears sehr, aber in Albumlänge hat es bisher noch nicht recht gefunkt. Mein Liebling auf dem Album ist trotz der Länge der „Badman’s Song“. Wahrscheinlich ist die Zeit einfach noch nicht gekommen…

  3. Hach ja, da beleuchtest du wieder mal meine Spätjugend. Niemals, wirklich niemals werde ich vergessen wie ich das erste mal Shout im Radio hörte und sowas von geflasht war. Eine Maxell XL II S- Kassette (die damals noch 6 oder 7 DM kostete) bereit gelegt und sehnsüchtig darauf gewartet, dass es ohne Moderatoren-Blabla gesendet wurde. Aber wir sind ja bei den Seeds of Love. Ich hatte zu dieser Zeit nicht mehr ernsthaft damit gerechnet, dass die beiden noch solch ein Werk herausbringen, reif und erwachsen auf eine eigene Art. Der Titelsong schon kraftstrotzend ohne Ende, begeistert noch heute.
    Ergänzen möchte ich noch „Woman in Chains“, mit der großartigen Stimme von Oleta Adams, die 2 Jahre später ein eigenes Album (Circle of One) auf den Markt brachte, mit dem wunderbar zu Tränen rührenden „Get here“. Vielleicht war es auch meinem Alter geschuldet und der Pflicht, erwachsen zu werden. Oder wenigstens so zu tun, als ob.
    (Bin dann mal weg, Get here hören, und dann die Seeds)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s