Live: U2, Pala Alpitour Torino, 15-09-05

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U2
Samstag 05.09.2015
Pala Alpitour, Torino
Setlist

Nun ging es also endlich los, nachdem ich die Tickets für meine Fanatismustour schon im Dezember 2014 ergattert hatte: Das erste Konzert von U2 hiess mich willkommen. Da nutzte ich die Gelegenheit und unternahm einen zweitägigen Trip nach Turin in Italien. Gereist wird natürlich im Zug, das führte mich über Mailand. Da momentan die Expo in der Stadt zu Gast ist, war am Bahnhof einiges los. Doch mit genügend Zeit zum Umsteigen lernte ich die nette Eigenheit der italienischen Eisenbahn ohne Stress kennen: Bis kurz vor Abfahrt ist nicht bekannt, auf welchem Bahnsteig ein Zug fährt. Ebenso muss man vor dem Eintritt in die Halle sein Ticket zeigen, fast wie im Flughafen. Die Stadt konnte ich mir aber nicht anschauen, nur das im Faschismus erbaute Gebäude des Hauptbahnhofes. Eindrücklich, trotz des traurigen Hintergrunds.

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Turin war dann nur noch eine Stunde entfernt. In der Stadt angekommen, war ich gleich überwältigt: So viele schöne Gebäude, alte Strassen mit Pflastersteinen und überall Strassenbahnen – echt hübsch und angenehm gelassen hier. Für mehr als einen kurzen Spaziergang durch die verkehrsfreie Altstadt mit unzähligen Geschäften und Eisbuden reichte es nicht, und ich bewegte mich sobald in Richtung Stadion. Schliesslich würden schon in wenigen Minuten die vier Männer aus Irland auf der Bühne stehen und das ausverkaufte Pala Alpitour in Jubel versetzen. Dank dem Genuss des Fanclub-Vorverkauf konnte ich seelenruhig mein Ticket am Schalter abholen und noch ein Shirt kaufen. In der Halle „musste“ ich mich mit einem Sitzplatz begnügen, doch dies stellte sich als perfekter Einstieg in meine Konzertreihe heraus. So konnte ich die grossartig inszenierte Show ungestört geniessen und bin nun bereit, mich bei den kommenden fünf Konzerten ins Getümmel zu werfen.

U2 kamen um 20.30 Uhr auf die Bühne – zuerst Bono, der sich auf der B-Stage blicken und das Publikum zu „People Have The Power“ von Patti Smith mitsingen liess. Gerne kamen alle dieser Aufforderung nach und es zeigte sich bereits hier, dass das italienische Publikum nicht nur grossartig mitsingt, sondern aus wahren Fans besteht. Keine Zurückhaltung, volle Euphorie und Glückseligkeit. So wurden auch die neuen Lieder von „Songs Of Innocence“ tosend empfangen. Der „Innocence“-Abschnitt bestand vor allem aus neuen Stücken, die nicht nur tief in die Vergangenheit der Band eintauchen, sondern auch persönliche Dinge wie den frühen Tod von Bonos Mutter behandeln. Dank der genialen Untermalung mit Licht und Bild konnte man förmlich durch die Zeit reisen. Zwischen den Bühnen und in der Mitte der Halle befand sich ein gewaltig grosser LED-Screen auf dem Filme, Figuren und Liveaufnahmen gezeigt wurden. In der Mitte dieser Konstruktion befand sich ein Gang, so konnten die Bandmitglieder zwischen den Bildern hin und her gehen und wurden interaktiv mit einbezogen. Selten habe ich eine solch durchdachte Inszenierung von einem Thema gesehen, hier lohnt es sich echt, einen übersichtlichen Platz einzunehmen.

Musikalisch kann die Band natürlich auch nichts falsch machen, zeigten sich die Mannen doch sehr spielfreudig und brachten in fast jeden Song ein Snippet ein. The Edge bearbeitete sein Effektbrett und entlockte der Gitarre faszinierende Klänge, Larry und Adam hielten sich wie gewohnt etwas im Hintergrund und legten den Boden für die Hits. Und davon gab es genügend: „Vertigo“, „Sunday Bloody Sunday“, „Where The Streets Have No Name“, „Beautiful Day“ und so weiter. Klassischerweise durfte eine junge und hübsche Dame – hier Elena aus Neapel – zu „Mysterious Ways“ mit Bono tanzen und ihn in Verlegenheit bringen, und dann wurden gleich vier Jungs aus dem Publikum geholt um mit der gesamten Band auf der „experience“ Bühne „Desire“ zu spielen – genial. Etwas bedächtiger wurde es dann beim Apell an alle, Flüchtlinge willkommen zu heissen und alle Menschen gleich zu behandeln. Beginnend mit „Zooropa“ war dies wohl der eindrücklichste Teil der Show, für den Bono auch den Text von „Pride (In The Name Of Love“) änderte. Sicherlich kann man hier sein Gutmenschentum verurteilen, doch er hat Recht! Und es gehört zur Aussage von U2 und ihrer Musik. Gerade wenn sich tausende von Menschen aus vielen Ländern zusammen in Italien einfinden und somit Ausländer sind, aber gemeinsam eine Welt und ein Gedankengut teilen, dann muss dieser Zustand auch auf den Alltag übertragen werden. Musik verbindet und schnell werden Unbekannte zu Freunden. So lernte ich eine Frau aus Turin kennen, einen Mann aus Irland und ein Paar aus München, welche ich wohl wiedersehen werde. U2 lehren uns, diese Verbindungen in unserem ganzen Leben zu erhalten und immer menschlich zu bleiben.

Beim Zugabenblock war die Stimmung somit noch besser und Liebe füllte den Saal. Und nach einer grossartigen Version von „City Of Blinding Light“ stürmte plötzlich Zucchero auf die Bühne und sang laustark bei „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ mit. Das war für die Italiener natürlich eine echte Ehre und ein perfekter Abschluss für diese mitreissenden zwei Stunden Musik. Ich bin sehr beeindruck von dieser neuen Tour und die Band zeigte sich von ihrer besten Seite. Die nächsten Konzerte in Berlin kann ich kaum erwarten.

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Hier noch einige Bilder von Turin selber. Die Stadt lohnt sich echt, denn nebst oben erwähnten Punkten findet man auch leckeres Essen (wenn nicht in Italien, wo dann), supergut gekleidete Menschen, Freundlichkeit, unzählige Museen und viele grüne Parkflächen und Nebenquartiere.
Also los liebe Leute: Ab nach Italien.

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3 Kommentare

  1. Klingt echt gut. Setlist ist prima, wobei ich gestehen muss, dass ich schon gerne „Hold Me, Thrill Me, Kiss Me, Kill Me“ dabei gehabt hätte. Und bei aller Toleranz gegenüber der musikalischen Kompetenz (Ich meine damit nicht das letzte Album.), ich möchte nicht das Bono Patti anrührt.

    1. Aber der Song passt doch so gut in das Thema der Tour rein, und zu U2.
      Vielleicht spielen sie das Batman-Lied ja in Berlin. 😉
      Oha jetzt fällt mir auf, ich habe „I Will Follow“ nicht erwähnt, tut mir leid. 😦

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