Miley Cyrus & Her Dead Petz (2015)

Miley-Cyrus-and-her-dead-Petz-2015

Miley Cyrus & Her Dead Petz
Label: Smiley Miley Inc., 2015
Format: Stream / Download
Links: Künstlerin, Soundcloud
Genre: Psychedelic Pop, R’n’B-Pop

Ehrlich gesagt, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Weder damit, dass Miley Cyrus auf diesem Blog eine Kritik erhält, noch dass ihr neustes Album zusammen mit The Flaming Lips produziert wurde. Und jetzt dies: „Miley Cyrus & Her Dead Petz“ ist aus dem Nichts nach der Moderation der diesjährigen MTV VMAs online erschienen und lässt sich gratis streamen und anhören. Doch lohnt sich das Album auch für Menschen, die mit der Künstlerin bisher in keiner Inkarnation etwas anfangen konnten?

Ja, also theoretisch. Denn die Platte der toten Haustiere entfernt sich so weit vom Vorgänger „Bangerz“ wie dieses damals von den süssen, unschuldigen Disney-Momenten. Allerdings wurde Frau Cyrus auch gerne vorschnell abgekanzelt und als schreckliche Aufmerksamkeitsschlampe dahingestellt. Hinter ihrer oft doch sehr generischen Musik, welche zeitgenössischen Pop, Skandalgeilheit und R’n’B mischte, steckte aber immer eine Person, die Talent und eine tolle Gesangsstimme besitzt. Davon konnte man sich zuletzt auch beim Cover-Album „With A Little Help From My Fwends“ der Flaming Lips überzeugen. Beatles-Klassiker oder Synth-Pop, Miley weiss wie man ein Lied besingen muss. Und mit Wayne Coyne fand sie endlich einen Mentor, der ihre überbordende Kreativität in absurde Formen bringen konnte und mit ihr gemeinsam in den Wahnsinn trudelte. Da ist es nicht erstaunlich, wird diese Zusammenarbeit nun auf ein gesamtes Album erweitert, allerdings nun in der Solokarriere von Miley einzuordnen. Coyne und seine Freunde übernahmen gewisse Teile der Schreibarbeit und die Produktion, stellten markante Flaming Lips-Klänge zur freien Verfügung und zeigten Miley den Weg ins Glitzerweltall. Und diese drückte auf Vollgas und knallte mit ihrer Rakete in einen Sturm voller Regenbogenmeteoriten, gefüllt mit Schleimfarben und verbogenen Instrumenten. „Her Dead Petz“ ist ein schimmerndes und lachendes Monster, ein über 90 Minuten langes Brecheisen für beengt denkende Geister. Wie ein Schwall Erbrochenes ergiessen sich die Lieder und Zwischenspiele über den Hörer und überfordern, wie sie zugleich auch faszinieren und leider manchmal etwas langweilen. Die Freude und Überraschungen überwiegen aber bei weitem, besonders wenn R’n’B-Synth-Pop in abgefahrenen Psychedelic Rock übergeht und zusammen ein Kind zeugt. Gäste wie Ariel Pink oder Big Sean lassen Abwechslung in den Stimmen aufkommen, die Musik schwankt zwischen Computer und zerstörter Rockband.

Miley Cyrus hat ein Album veröffentlicht, das ich so nicht erwartet hätte und total liebe! Wie abgefahren ist dieses Ding denn geworden? Sicherlich etwas lang, aber gewisse Lieder hört man immer wieder gerne. Im Psychdelic Pop gibt es in diesem Jahr wohl keine grössere Überraschung, und wohl auch keine Texte, die so grenzwertig sind, dass sie schon fast wieder poetisch erscheinen. Miley, ich bin dein Fan geworden! Und das ganze jetzt noch als CD oder Vinyl mit klebrigem Glitzerstaub-Cover bitte?

Anspieltipps:
The Floyd Song (Sunrise), BB Talk, Tiger Dreams, Pablow the Blowfish

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