Leftfield – Alternative Light Source (2015)

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Leftfield – Alternative Light Source
Label: Infectious Music, 2015
Format: CD im Digipak
Links: Discogs, Band
Genre: Techno, House, Leftfield

Wie schon vor wenigen Tagen bei The Chemical Brothers angesprochen: Die Grössen der elektronischen Musik der Neunziger sind wieder zurück. Leftfield gingen damals einen sehr eigenen Weg, schliesslich wurde dank ihrer neuen Art Techno zu spielen sogar das Genre nach ihnen benannt. Nach etwas mehr als zehn Jahren war der Spass dann aber vorbei, die Gruppe löste sich auf. Nun, 16 Jahre nach dem letzten Album, erscheint ihre dritte Platte. Das Album schliesst dabei gelungen an die alten Zeiten an, ohne sich anzubiedern.

Gleich zu Beginn rührt Neil Barnes mit der grossen Kelle an und lässt die Bässe tief und laut dröhnen. Darüber pochen die Beats, Synthspuren fräsen sich ins Geschehen und Babatunde Adebimpe (unter anderem TV On The Radio) lässt seine Stimme durch den Effektwolf drehen. Die Grundstimmung wirkt fast bedrohlich, als würde man in einem Stahlwerk voller lauter Maschinen Verstecken spielen. Doch bereits mit dem zweiten Track lockert sich dieser Eindruck, der Beat wird tanzbarer, die Keyboards bereiten den Weg auf die Tanzfläche vor. Der Techno wird reiner, behält aber seine dunklen Kleider und den Lidschatten. Auch hier wird die Musik von einer Gastsängerin geschmückt, ein Thema, das sich durch das gesamte Album zieht. Somit erinnert die Musik oft an Underworld, welche schon früh gemerkt haben, dass eine Stimme die elektronische Musik tiefer gestalten kann. Diesen Trick wenden Leftfield seit „Leftism“ an, hier besonders ohrwurmgefährdet bei „Bilocation“ und „Head And Shoulders“. Bei diesen Stücken hört man auch gut, an wie vielen Orten sich Barnes die Inspiration holt. House, Dub, Breakbeat oder Trip-Hop, alles darf vorbei schauen und seine Finger in die Melodienfindung hineinhalten. Das Album wird dabei aber nie zu einem Gemischtwarenladen, sondern erhielt einen eigenen Klang und eine durchgehende Wirkung. „Alternative Light Source“ ist dabei auch nie altbacken oder langatmig, immer wieder zerstören tolle Ideen auch nur kleinste Andeutungen von Repetition oder Langeweile. Wie auch das Covermotiv ist die Musik eine dunkle Sache, zerschnitten und durchstochen von Lichtfäden und -blitzen – genau so mag man es schliesslich auch im Club.

Eine Rückkehr alter Grössen kann misslingen, oder wie in diesem Fall zu einem Siegeszug werden. Die neue Scheibe von Leftfield weiss geschickt alte Markenzeichen mit neuen Einflüssen zu verbinden. Zwar weiss man immer, mit wem man es zu tun hat, wird aber doch überrascht und zum Bewegen verführt. Eine wunderbare Techno-Platte mit unzähligen Genrevorzeichen. Der Club gehört uns!

Anspieltipps:
Universal Everything, Bilocation,

Ein Kommentar

  1. Ich finde auch beide Alben stark – Chemical Brothers und Leftfield.

    Beide Combos machen eben nicht – wie du ebenfalls resümierst – sich ständig neu erfinden, sondern alte Sachen einfach wieder gut machen.

    Die Musik macht Spaß und geht gut in den Arsch oder mindestens zum Abnicken 🙂

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