Palms – Palms (2013)

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Palms – Palms
Label: Ipecac Recordings, 2013
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit Download
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative, Post-Rock

Hier stimmt einfach alles: Design, Verpackung, Musik, Künstler. Hinter einem der schönsten Plattencover der letzten Jahre verbirgt sich wunderbare Musik von den ehemaligen Leuten von ISIS sowie dem Deftones-Sänger Chino Moreno. Eigentlich sollte das schon reichen, um alle Freunde dieser Bands zum Kauf zu bewegen. Denn wann hat Chino zuletzt ein schlechtes Album veröffentlicht? Eben. Für alle anderen hier noch ein paar Gründe, wieso „Palms“ genau so gut klingt, wie es ausschaut.

Palms sind keine Supergruppe, die sich hinter ihren Namen versteckt und ein schnell zusammengestelltes Produkt auf den Markt wirft. Die Lieder, welche in den gemeinsamen Aufnahmestunden entstanden sind, glänzen mit durchdachter Struktur, Freiraum und viel Gefühl. Und obwohl man bei der Herkunft der Musiker eher ein hartes und wildes Metalalbum erwartet, besticht „Palms“ oft durch seine gemächliche Stimmung. Die Musik ist teilweise im Post-Rock zu verorten, teilweise im Alternative Rock. Langsam und wuchtig entfalten sich die Songs und dauern bis zehn Minuten an. Gitarren und Keyboards sorgen für die Klangflächen und Melodien, das kraftvolle Schlagzeug untermauert zusammen mit dem tollen Bass die Stücke. Wenn „Future Warrior“ dabei zu Beginn wie ein 80er-Hit klingt, dann aber langsam und stetig in den Vulkan steigt, hat das seine Richtigkeit. Die Gruppe orientiert sich in den Strukturen zwar bei den härteren Gangarten in der Musik, verziert die Takte aber mit viel Harmonien und Emotion. Einen grossen Anteil an dieser Wirkung trägt natürlich Chino Morenos Gesang, unverkennbar und hier wahrlich gefühlvoll. Mit ihm gleitet man minutenlang über Soundwellen, bricht an der Brandung und verbuddelt sich bei der Sturmwarnung im Sand. Denn die Musik kann auch aufbrausen und schlägt dann wild um sich, Trost spendet die Band am Schluss weiterhin. Somit eignet sich die Musik sehr zum Augen schliessen und träumen, das Headbangen kann man getrost aufsparen. Dies ist aber kein Verlust, denn die Musik und die Lieder sind so dicht gestaltet, dass die Eruptionen auch ohne Gewalt tief in den Körper fahren. Jedes Stück hat seine eigenen Reize, gemeinsam offerieren sie ein vollendetes Klangbild, das sowohl laut im Wohnzimmer als auch mit Kopfhörern perfekt funktioniert.

Mit Palms haben sich Musiker zu einem Projekt – oder einer Band – eingefunden und dies voller Ehrlichkeit auf die Beine gestellt. Aus zwei Welten prallen hier die besten Zutaten aufeinander und vermengen sich zu einem epischen und dabei kitschlosen Werk. Die Musik ist gross, intensiv und fesselnd. Ihr Debütalbum fasziniert somit auch zwei Jahre nach der Veröffentlichung wie damals, und das Vinyl dreht sich noch schöner in der orangen Farbe. Ein durch und durch perfektes Stück Musik, formvollendet und im Gatefold.

Anspieltipps:
Future Warrior, Mission Sunset, Antarctic Handshake

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