The Tangent – A Spark In The Aether (2015)

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The Tangent – A Spark In The Aether
Label: Inside Out, 2015
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit CD und Inlay
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Rock, Canterbury

Progressive Rock hat seine Namensherkunft oder -Bedeutung schon vor langer Zeit ad absurdum geführt, steht das Genre heute doch für die Aufarbeitung und Wiederholung bekannter Muster aus den 60er und 70er Jahren. Was Bands damals revolutionär definierten und damit die Musikwelt auf den Kopf stellten, das wird heute als Stil bezeichnet und exzessiv durchgekaut. Trotzdem, Gruppen wie The Tangent dringen immer wieder mit interessanten Platten an die Oberfläche und stellen die bekannten Klangstrukturen frisch dar. Und wenn sich die Songs (vielleicht zum allerersten Mal) direkt um den Stil und die Musik selber drehen, dann wird es noch interessanter.

Alleine der zweiteilige Albumtitel lässt darauf schliessen, dass sich das Kollektiv um Andy Tillison nicht nur rückbesinnt, sondern die Materie selber als Grundlage und Analyse hinnimmt. „The Music That Died Alone“, Name der ersten The Tangent Scheibe und nun eben der zweite Teil. Es ist aber kein Schwanengesang, die Gruppe löst sich nicht auf. Viel mehr haben Tillison und Musiker hier eine Sinfonie erschaffen, die nicht nur Genrewurzeln beleuchtet, sondern die eigene Bandgeschichte zerpflückt. Gerade hier versteht es die englische Truppe einmal mehr, hippieske Einflüsse und Anleihen aus dem Canterbury in die Lieder einzupflegen. Am besten funktioniert dies bei den Longtracks, besonders wenn Harmonien und Liedteile wiederholt und erneut angespielt werden. Codas folgen auf Zwischenspiele, Brücken auf Refrains. „The Celluloid Road“ flirtet sogar mit dem Funk und nimmt uns mit auf einen Roadtrip durch die Staaten in den Siebzigern, Highlight ist der Halt in San Fransico – herrlich beworben auf ihrer Homepage. Weiterhin werden die typischen Merkmale der leicht gespielten Gitarren und der Orgel beibehalten. Oft erklingen mehrere Melodiebögen miteinander, ergänzen sich und verwandeln sich von Leit- zu Nebenmotiven. Die Mischung ist dabei immer klar und überfordert auch in den wilden Stellen nicht, hier ist vor allem der tollen Produktion zu danken. Diese schafft es auch, harte Stellen schwerer klingen zu lassen als die leichten Tänze, und bei den kurzen Songs das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Wer sich nun mit dem doch etwas eigenen und nicht sehr wandelbaren Gesang von Tillison anfreunden kann, dem steht nichts mehr im Weg, eine klassische Progreise zu unternehmen.

Mit „A Spark In The Aether“ machen The Tangent ein weiteres Mal alles richtig und polieren den Retro-Prog auf Hochglanz. Viele Einfälle, Humor und keine Berührungsängste mit progfremden Gebieten, all dies ergibt einen musikalischen Eintopf mit wunderbarem Geschmack. Man darf gespannt sein, wohin uns die Reise mit dieser illustren Gruppe noch führen wird.

Anspieltipps:
A Spark In The AetherCodpieces And CapesThe Celluloid Road

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