Secret Machines – Ten Silver Drops (2006)

“Musik für die Ewigkeit”; unter diesem Label veröffentliche ich Reviews zu Platten und Alben, die mein Leben am stärksten beeinflusst haben, und mir für immer ans Herz gewachsen sind. Meine persönlichen Platten für die einsame Insel.

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Secret Machines – Ten Silver Drops
Label: Reprise Records, 2006
Format: Vinyl mit Inlay
Links: Discogs, Wikipedia
Genre: Art-Rock, Space Rock

Da gibt es manchmal ein Lied, ein kleines einzelnes, das stellt die Hörgewohnheiten und Musikkenntnisse komplett auf den Kopf. Nach diesem Lied wird nichts mehr so sein wie es war, die Welt der Musik und Bands ist für immer gewaltig grösser geworden. Natürlich werden solche Momente mit den Jahren weniger, vor noch nicht allzu langer Zeit dafür umso intensiver. „Lightning Blue Eyes“ von Secret Machines, auf einer „All Areas“ CD des Musikmagazins Visions, Bohli ist platt und entdeckt den modernen Prog. Und bis heute ist das Album in meinem Herz, auch wenn die Band leider so nicht mehr existiert.

„Ten Silver Drops“ mit seinem wunderbaren, knallgrünen Cover und den Tropfen war das zweite Album der Texaner und führte ihre Musik weg vom Krautrock-Retro-Gestampfe, das noch auf „Now Here Is Nowhere“ vorherrschte. Alleine „Daddy’s In The Doldrums“ wählte wieder diesen Pfad und walzt während acht Minuten alles platt. Led Zeppelin ist nie fern, wird aber mit Keyboard und psychedelisch angehauchten Gitarren umgarnt. Die erwünschte Sogwirkung wird erreicht, der Gesang veredelt das Stück. Wenn sich dann alle Tore öffnen und die Flut über den Hörer hereinbricht, dann gewinnt nicht nur der Lärm sondern auch die Stimmung. Wuchtig und intensiv, genauso wie der Rest der LP. Erstaunlich, auf welch konstant hohem Level das Trio agiert, ausser dem etwas lahmen „All At Once (It’s Not Important)“ sind alle Stücke mitreissend und durchdacht. Stilistisch kann man die Truppe aber selten genau einordnen, denn nebst oben erwähnten Einflüssen spielen die Musiker mit dem Prog-Rock, Stadion Rock und Shoegaze. Schicht um Schicht türmen sich die Tracks in die Höhe, stolpern nie über die Effektteppiche oder Synthflächen und finden dabei genügend Zeit, um die Gitarren- und Bassspuren zum kochen zu bringen. Dank der doch eher feinen Stimme von Brandon Curtis findet man sich im Überfluss zurecht, singt Refrains lauthals mit und spielt dazu Luftgitarre. Wenn er dann bei „I Hate Pretending“ laut wird und fast schreit, funktioniert das im Verbund mit dem düsteren Text grossartig. Allgemein: Die Aussagen, welche die Band macht, sind nicht immer klar durchschaubar, ihre Wortketten aber eingängig und lockend. Im Verbund werden all diese Teile zu einem noch grösseren Ganzen, man legt „Ten Silver Drops“ immer wieder auf und die Abnutzungserscheinungen lassen auf sich warten. Sicherlich, Puristen mag alles zu lautmalerisch, zu verspielt und zu effektvoll sein, aber was hier im Feld des New Prog geleistet wird ist beachtlich.

Egal ob das erste, das mittlere, das letzte oder ein Lied zwischendrin – „Ten Silver Drops“ ist ein umwerfendes Werk von Secret Machines. Doch leider begann hier das schleichende Ende, Benjamin Curtis stieg aus, starb 2013 an Krebs. Die Band veröffentlichte 2008 ihr drittes Album (welches wieder den Stil wechselte) und ist seither praktisch in der Versenkung verschwunden. Unglaublich schade, aber immerhin strahlt das grüne Quadrat für alle Ewigkeiten. „I need love, that don’t mean I need you / It started with that song / It was a thousand seconds long / It didn’t end ‚cause we never got through“.

Anspieltipps:
Lightning Blue Eyes, Daddy’s In The Doldrums, I Hate Pretending

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