The Chemical Brothers – Born In The Echoes (2015)

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The Chemical Brothers – Born In The Echoes
Label: Virgin EMI Records, 2015
Format: CD im Karton, mit Poster
Links: Discogs, Band
Genre: Big Beat, Electronica

Gerne kommen sie wieder, unsere alten Helden und Freunde vergangener Musikjahrzehnte. Dieses Jahr sah schon einige Wiedergeburten, manche überzeugten komplett, andere waren etwas Fragwürdig. Und auch im Sommer kann nun zu bekannten Gesichtern getanzt werden, denn Leftfield und The Chemical Brothers sind wieder da. Letztere begaben sich auch gleich auf eine Sommertour, doch leider überzeugten die Konzerte nicht mehr so stark wie vor einigen Jahren. Und genau dieses Problem befällt nun auch das erste neue Album seit 2010, Vergangenheit ist hier keine Zukunft.

„Born In The Echoes“ macht zu Beginn eigentlich alles richtig: Mit „Sometimes I Feel So Deserted“ startet die Platte mit weiblichen Vocals, flächigen Synths und einem wunderbar rollenden Beat. Steigerungen und Breaks sind vorhanden, trotzdem hat man das Gefühl, endlich wieder aktuelle Musik des englischen Duos zu hören. Dass darauf gleich der beste Track des Albums folgt vermutet man nicht, aber „Go“ schleicht sich ab dem Erstkontakt in den Kopf und man ertappt sich, die Melodie unterwegs plötzlich zu summen. Das Lied ist grossspurig, frech und hat einen echt tollen Sprechgesang, der durch die knackige Basslinie unterstützt wird. Es war eine gute Entscheidung, diesen Moment als Vorabsingle zu präsentieren – auch der eher süssliche Refrain stört überhaupt nicht. Den Hattrick machen die chemischen Brüder mit „Under Neon Lights“ perfekt, und wer sich die Illusion von einer tollen Wiedergeburt der Big Beat Helden nicht zerstören will, der schaltet den Player jetzt aus. Denn mit den nachfolgenden acht Liedern sprengt das Duo die Vorarbeit und verliert sich fortschreitend im lauwarmen Aufguss alter Tugenden. „Born In The Echoes“ wird zu einem Album, dass der Karriere der Künstler keine neue Akzente verleihen kann, rezykliert bekannte Klänge und Beats und verschwindet irgendwann im eigenen Lärm, so stark, dass man sehr schnell vergisst, dass überhaupt noch Musik läuft. Was beim Hinhören auch fast jedes andere Album von The Chemical Brothers sein könnte, gräbt sich mit langweiligen Aufgüssen selbst den Boden ab. Sicherlich, das Zitieren von alten Hits oder die Huldigung von Klangwirkungen der 90er ist nicht zu verteufeln. Doch wenn diese Handlung zum Selbstzweck verkommt und somit ein Feststecken in der eigenen Retroromantik offenbart, dann macht es keinen Spass mehr. Gegen Ende hat das Album nichts mehr Interessantes, nichts mehr Anspornendes und plötzlich ist klar, wieso die Konzerte im Sommer so enttäuschend waren: Die Ideen sind ausgegangen.

Wer gerne wie vor 15 Jahren tanzen geht, sich immer noch die alten Scheiben von damals anhört und sowieso nur Reuniontours besucht, der darf „Born In The Echoes“ kaufen und abfeiern. Alle anderen wenden sich besser wagemutigen und mit progressivem Denken versehenen Künstlern zu. „Go“ sollte aber jeder ein paar Mal abspielen und sich den Träumen von besseren Alben hingeben.

Anspieltipps:
Sometimes I Feel So Deserted, Go, Taste Of Honey

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