Heidemann – Orphan (2014)

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Heidemann – Orphan
Label: Eigenveröffentlichung, 2014
Format: CD
Links: Bandcamp, Facebook
Genre: New Wave, Electronica, Pop

Sind wir eigentlich schon wieder soweit, dass Musik mit Anleihen aus vergangenen Jahrzehnten wie ältere Musik mit futuristischem Anstrich klingt? Ist die Retro-Romantik so weit verzerrt, dass die Ergebnisse nicht mehr zu unterscheiden sind? „Orphan“, die erste EP der New Yorkerin Monika Heidemann, wirft diese Frage auf. Ihre Musik ist ein wunderbares Spiel mit alten Tugenden und damaligen Visionen, sie lässt – wie so manche Künstler – die 80er-Jahre wieder aufleben.

Bevor ihr aber jetzt wegklickt und denkt „nicht schon wieder ein seelenloses Synth-Erzeugnis“: Heidemann bietet mehr als verkappte Aussagen über die Vergangenheit. Zwar findet man auf der EP nur vier Lieder, diese überzeugen aber alle Freunde und Geniesser des elektronischen Pop. Frau Heidemann mischt Synth, Kontroller und gespielte Instrumente zu einem stimmigen Bild. Ihr Gesang bleibt immer auf dem Boden, gefällt aber sehr dank der etwas tieferen Färbung. Was live auf der Bühne einen Schauwert bietet – spielt die Dame doch alles selber ein und schnallt sich die Bassgitarre um – ist auf CD aber genau so toll. Hier sind die Einsätze und Loops genauer, die Beats und Melodien erklingen messerscharf. Wie gut die Musikerin den Umgang mit Synth-Pop beherrscht, zeigt sie auch bei der Cover-Version des ABBA Klassikers „The Visitors“. Wer das Lied im Original nicht kennt, der hört keinen Bruch zu den drei anderen Stücken. Die Stimmung und Wirkung des Songs wurden angeeignet und modernisiert. So hat Heidemann die veralteten Klangspiele entfernt, den Druck erhöht und mit bemerkenswert wenigen Handgriffen das Lied in die Neuzeit transportiert, eine Zeit die als 80er-Kopie funktioniert.

„Orphan“ ist für eine Debüt-EP eine wunderbar reife und weit entwickelte Angelegenheit. Die elektronische Pop-Musik holt sich ihren Charme zwar in einer Zeit vor 30 Jahren, spielt aber mit den heutigen Standards und umgeht Klischees wie zuckersüsse Melodien und ewig gleiche Textphrasen. Noch dieses Jahr soll eine zweite EP von Monika Heidemann erscheinen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich darauf mehr Lieder befinden.

Anspieltipps:
Well Well, The Visitors

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