Sound Of Contact – Dimensionaut (2013)

SoundOfContact_Dimensionaut_Mbohli

Sound Of Contact – Dimensionaut
Label: Inside Out, 2013
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit CD
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Rock, New-Prog

Moment, wer singt denn da? Das klingt doch wie, aber nein, das kann nicht sein – oder? Ein kurzer Blick auf die Credits offenbart: Nicht Phil steht hier am Mikrofon, sondern Simon Collins, sein Sohn. Stimmlich sind sich die Herren aber extrem ähnlich, die Ausdrucksweise fällt besonders in „I Am Dimensionaut“ auf. Aber da ich Phil immer mochte, stellt das für mich keinen negativen Punkt dar. Auch sonst bietet das erste Album der Band Sound Of Contact fast nur gutes, auch wenn es zu Beginn anders wirkt.

„Dimensionaut“ ist ein typisches Beispiel von modernem Prog. Viel Melodie, viel Keyboard und Anleihen bei Pop und Rock. Dank der herausragenden Produktion lässt sich die Musik vorzüglich geniessen und die Instrumente sind wunderbar aufgenommen. Struktur und Formel der Lieder wandeln oft auf einfachen Pfaden, schwelgen in eingängigen Refrains und gerne mal süsslichen Momenten. Aber bevor die Grenze mit grossem Schritt überquert wird, wissen die Herren immer wieder ihrer Musik ein paar Kanten hinzuzufügen. So bricht die Band aus, stapelt Lärm und wirft einen Stock in den geraden Rhythmus. Besonders beim abschliessenden „Möbius Slip“ darf man den Proggedanken ausleben und fast 20 Minuten mitfiebern. Der eigentliche Reiz geht für mich bei der Scheibe aber nicht von der Habenseite des Prog aus, sondern von den verführerischen Harmonien und wunderschönen Melodien wie bei „Pale Blue Dot“. Das Lied klingt wie ein intelligenter Radio-Hit, ohne jemals Blösse oder Kalkül zu offenbaren. Die Band weiss genau, wie weit man den Stil treiben kann, ohne ihn zu brechen. Was dank des Gesangs manchmal an Genesis erinnert (wenn auch eine zeitgemässe Neuauflage mit Sci-Fi Romantik), weitet sich in der zweiten Hälfte in Richtung Pink Floyd und den Space-Rock aus. „Realm Of In-Organic Beings“ ist das „The Great Gig In The Sky“ der ISS-Generation, im Verbund mit der Erstbegegnung mit Ausserirdischen. Das wird dann mit einem weiteren Hit gekontert: „Closer To You“ funktioniert auch bei Leuten, die Prog nicht buchstabieren können. All dies verbindet sich zu einem wunderbaren Erlebnis, das aufzeigt, wie frisch und modern das Genre Prog ausgelebt werden kann, ohne zu komplex zu werden.

Simon Collins und seine Begleiter haben mit dieser Platte ein Stück Musik geschaffen, dass ich durch und durch liebe. Die Leichtigkeit der Lieder, trotz ihrer schweren Basis, die Stimme und tolle Instrumentierung, die Einfälle und Endgestaltung, alles ergänzt sich perfekt. Für viele ist das Album wohl zu kitschig oder lieblich, ich liebe es aber, regelmässig in solche Wasser einzutauchen und mich umgarnen zu lassen. Bitte veröffentlicht bald ein zweites Werk.

Anspieltipps:
Pale Blue Dot, Beyond Illumination, Realm Of In-Organic Beings

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s