Live: SBTRKT + Jamie XX, Montreux Jazz Festival, 15-07-09

SBTRKT_Montreux_MBohli

Jamie XX, SBTRKT, Hudson Mohawke
Donnerstag 09.07.2015
Montreux Jazz Lab

Das renommierte und weltbekannte Montreux Jazz Festival bot auch dieses Jahr wieder umengen an Konzerten und Shows die einen Besuch rechtfertigten. Wir entschieden uns am ersten Abend für moderne, elektronische Musik, auf dem Teller präsentiert von drei jungen Männern. Als erstes wartete aber eine Überraschung auf uns. Der als Hauptact vermutete Jamie XX sollte als erster auftreten, danach SBTRKT und als Abschluss Hudson Mohawke, ausgerechnet der Künstler, den wir nicht kennen. Wie dem auch sei, assen wir das Desert halt zuerst.

Und was für ein Zuckerkuchen das Set von DJ Jamie Smith war. Viele hatten wohl vor allem die Lieder von seinem phänomenalen Debüt „In Colour“ erwartet, aber so einfach machte es der Engländer dem Publikum nicht. Einstieg und Rausschmeisser waren wundervolle Kombinationen aus Beats, Jazz und Soul. Passend für das Festival und von einem wunderbaren Umgang mit der musikalischen Vergangenheit zeugend, mischte Jamie Abschnitte und Passagen aus diversen Liedern zu einem pumpenden Set voller Überraschungen. Und als dann plötzlich aus dem Nichts die Stimme von Gil Scott-Heron erklang und das erste Mal Jamies eigene Musik die Halle flutete gab es kein Halten mehr. Nacheinander wurden auch „The Rest Is Noise“, „Gosh“ und „Stranger In A Room“ angespielt und reingemischt. Wäre ich dem Set nicht schon zuvor verfallen, spätestens jetzt war ich Fan vom Talent des Künstlers. Mit der Kombination aus Jazzmusik und dem Gesang zu „Loud Places“ wurde der Musik eine weitere Ebene hinzugefügt und nach einer Stunde bestand der Saal nur noch aus begeisterten Gesichtern.

Was danach folgte lässt sich mit Wörtern fast nicht beschreiben. Während der Pause wurden auf der Bühne Trommeln und Schlagzeug aufgebaut, in der Mitte eine Synth-Burg. Hatte ich mir unter dem Auftritt von SBTRKT eher ein DJ-Set vorgestellt, kam er mit Schlagzeuger und Percussionist auf die Bühne und prügelte von Anfang bis Ende seine Songs auf die Zuhörer. Was zu Beginn noch verwirrte, verströmte eine grossen Sog und faszinierte extrem. Auch sanfte und leise Lieder wurden zu gewaltigen Ausbrüchen und das Konzert erhielt viel vom Flair einer afrikanischen Trommelzeremonie. Sogar ein wilder Remix von Radiohead wurde in den Wirbelsturm gezogen und haute jeden einzelnen Zuschauer aus den Socken. SBTRKT selber hantierte wie ein verrückter Wissenschaftler an den elektronischen Geräten und füllte die Leerräume mit Flächen und Beats. Grossartig und viel wuchtiger als ab Platte!

Hudson Mohawke konnte danach nur verlieren, und wusste leider meine Begeisterung nicht mehr zu entfachen. Sein Dubstep ist zu simpel und zu stark auf Effekthascherei ausgerichtet, um in mir etwas zu berühren. Für die Nintendo gewohnten Ohren sicher kein Ausfall, aber zwischen all den schreienden Synths fand ich zu wenig Herz. Somit liessen wir den Abend an der Bar ausklingen und schwelgten in den nachhallenden Erinnerungen der Sets von Jamie XX und SBTRKT.

Hudson Mohawke_Montreux_MBohli 

Bild von Cornelia Hüsser

Bild von Cornelia Hüsser

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