Alcest – Shelter (2014)

Alcest-Shelter_MBohli

Alcest – Shelter
Label: Prophecy Productions, 2014
Format: CD im Digipak
Links: Discogs, Band
Genre: Post-Rock, Shoegaze

Was passiert, wenn man einer Musikrichtung all ihre Merkmale wegradiert und nur die Grundinstrumente lässt? Es entsteht eine radikal verformte Basis, einem komplett neuen Stil zuzuordnen. Alcest aus Frankreich haben diesen Schritt gewagt und präsentieren mit „Shelter“ ein Album ohne Black Metal. Ihre vorherigen drei Werke waren diesem Subgenre angehörend, mit gutturalem Gesang und wilden Prügeleien, zeichneten aber bald einen starken Wandel in Richtung Post-Rock und Shoegaze ab. Hier nun aber sind sie am Ende ihrer Reise angelangt und steigen in neue Sphären auf.

Neue Sphären ist der richtige Ausdruck, hat man doch beim Genuss des Albums konstant das Gefühl, meterhoch über dem Boden zu schweben. Die Musik trägt einem ab der ersten Minute wie auf Flügel über die Landschaft und gibt einem das Gefühl, dem Himmel ein Stück näher zu sein. Gitarrenwände werden weich gewaschen und mit hochtönenden Synths ergänzt, das Schlagzeug klingt wie in Watte gehüllt und tut auch bei einer lauten Passage nicht weh. Fortwährend werden die Lieder in eine voluminöse Klangwand gehüllt und Instrumente werden geschichtet. Wie es sich für den Shoegaze gehört (die Bezeichnung stammt aus dem exzessiven Gebrauch von Effektgeräten), vermengen sich die Instrumente zu einem Ganzen. Einzelne Spuren oder Melodien kann und will man nicht immer wahrnehmen, der Gesamteffekt ist betäubend. In diese Doktrin ordnet sich auch der Gesang ein, der wie im Intro „Wings“ als Chor präsentiert wird, oder als sanfte, schon fast gesprochene Sätze auf Französisch. Dieser Wechsel lässt eine fantastische Dynamik entstehen, wie bei „Opale“, das zwischen intensivem Refrain und träumerischen Strophen wechselt. Hier betört zusätzlich eine schnell und laut gespielte Leitgitarre, Schönheit in musikalischer Form. Auch der Rest des Albums weicht nicht gross von dieser Formel ab, wird aber auch nie repetitiv und langweilig. Neige und Winterhalter wissen, wie der Stil zu variieren und die Lieder auszuschmücken sind. Dabei streifen sie oft Stimmungen und Momente, die extrem an Anathema erinnern. Besonders deren neustes Werk „Distant Satellites“ konnte mit denselben Mitteln viel Wirkung erzeugen. Eine Kopie sind Alcest aber zu keiner Sekunde, dafür sind sie zu talentiert.

„Shelter“ ist ein Album, um die Gedanken abzuschalten, Ruhe zu finden und den Alltag zu vergessen. Während über 40 Minuten kann man sich in Musik baden und das Glück finden. Dank dem stilvollen und passenden Artwork ist die Transition kein Problem, man spürt die Sonne förmlich im Gesicht und den Wind in den Kleidern. Wunderschön und vollendet.

Anspieltipps:
Opale, L’éveil Des Muses, Délivrance

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