Marina And The Diamonds – Froot (2015)

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Marina And The Diamonds – Froot
Label: Atlantic, 2015
Format: Vinyl mit CD
Links: Discogs, Künstlerin
Genre: Pop

Popkünstlerinnen haben es nicht einfach in der heutigen Zeit. Schnell wird ihre Musik in ein gewisses Schema gepresst, die Plattenfirma verlangt Kassenschlager und Nummer Eins-Hits. Ob dabei nur formelhafte Elemente neu zusammengeklebt oder etwas Eigenes gewagt wird, spielt keine Rolle. Hauptsache, es klingt alles gleich. Marina Diamandis macht da aber nicht mehr mit und zeigt auf ihrem dritten Album, dass sie keine Klischees bedienen muss und selber Musik schreiben kann.

„Froot“ startet zwar eher mit dem Gegenteil, denn das erste Lied „Happy“ steckt noch mit beiden Füssen im typischen, modernen Pop. Mit seiner Langsamkeit und Melancholie kann Marina gleich ihr Gesangstalent unter Beweis stellen, vermag aber noch nicht zu packen. Beim Titelsong sieht die Situation bereits anders aus, lässt die Sängerin ihre Diamanten nun funkeln und fügt dem Werk eine Portion Verrücktheit und Spieltrieb hinzu. Tänzelnd lassen Synths und Keyboards Raum für die wandelbare Stimme Marinas, welche gerne mehrmals pro Song Gesangsstil und -Höhe wechselt. Schnell wird klar, das die Vorbilder der Musik hier nicht im bekannten Sumpf der R’n’B-Künstler liegen, sondern sich die Musik gerne bei älteren Generationen des elektronisch angehauchten Pop bedient und somit aktuelle Klischeefallen umgeht. Die Stimmung wandelt dabei zwischen fröhlich und glücklich zu nachdenklich und melancholisch. Ob balladenmässig oder hitverdächtig gespielt wird, die Balance hält sich meist. In der Mitte merkt man dem Album aber leider an, dass zwölf Lieder etwas zu viel des Guten sind. Aber wunderbare Momente wie der Refrain und die darauf folgende Zeile von „I’m A Ruin“, das zum tanzen animierende „Blue“ oder die freche Ausdrucksweise in „Better Than That“ entschädigen dafür. Marina And The Diamonds kann man nach dem Anhören der Platte nur mögen, Fehler hat schliesslich jeder Mensch und wir drücken bei ihr sehr gerne mal ein Auge zu.

Leider ist „Froot“ ein gemischter Früchtekorb geworden. Manches scheint unreif, gewisse Momente bereits faul. Sicherlich zeugt das Album von musikalischem Talent und ist eine sehr nette Popplatte geworden. Doch hätte sich die Musikerin auf weniger Lieder beschränkt und gewisse Stellen getrimmt, das Resultat wäre eindringlicher und runder geworden. Trotzdem, eine genussvolle Abwechslung zur Standardware im Radio. Ab auf den Spielplatz!

Anspieltipps:
Froot, I’m A Ruin, Better Than That, Weeds

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