Oh Land – Earth Sick (2014)

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Oh Land – Earth Sick
Label: Tusk Or Tooth, 2014
Format: CD
Links: Discogs, Künstlerin
Genre: Synth-Pop

Wie schnell aus einem Lied ein ganzes Album und eine noch grössere Begeisterung werden kann. Oh Land lernte ich an ihrem Konzert in Zürich kennen und nahm da die Gelegenheit war, das neuste Album zu erstehen. Nanna selber stand am Merchandise-Tisch und signierte das Booklet sogleich nach einem unterhaltsamen Schwatz. Die dänische Künstlerin hat mit „Earth Sick“ ihr bereits viertes Album veröffentlicht und sich dabei komplett dem elektronischen Pop verschrieben. Dass dies ihre Zweitkarriere ist und darunter viel Kunst lauert, diese Entdeckung macht man spätestens beim kompletten Anhören der Scheibe.

Oh Land, oder Nanna Øland Fabricius, war in ihren jungen Jahren eine leidenschaftliche Tänzerin und verwirklichte sich im Ballett. Durch eine schwere Verletzung musste sie die Tanzschuhe aber an den Nagel hängen und widmete sich aus einer Laune heraus der Musik. Dabei offenbarte die Dame schnell ein Verständnis für das Gesamtkunstwerk, ihre Lieder somit nicht nur Text und Musik, sondern auch Design und Mode. Man schaue sich nur einmal ihre Musikvideos an, um die Vielfalt ihres Schaffens zu erfassen. Ab Konserve funktionieren die Songs aber genau so gut, auch ohne all das Drumherum – ihre knackigen Stücke voller Synths und Melodien zeigen sich gerne hinterlistig und lassen den Hörer in die Falle tappen. Denn was zuerst wie ein klassischer Popsong auftritt, verwandelt sich meist im letzten Drittel in ein Spiel mit doppeltem Boden. Takte werden krumm, Instrumente haben einen Zusammenbruch, Gesangslinien werden über Bord geworfen, Klassik und Oper zitiert. Ein grosser Vorteil bietet nebst der talentierten Stimme von Fabricius auch ihr Akzent. Dank ihrer nordländischen Abstammung intoniert sie die Texte mit einem charmanten und hübschen Unterton. Das sorgt oft für witzige Momente, so klingt beispielsweise der Refrain von „Head Up High“ wie ein Stammesschrei der Uramerikaner. Der Unterbau besteht oft aus reduzierten Spuren der Keyboards und Synths, verstärkt mit ungewohnten Drumpatterns. „Earth Sick“ erhält somit einen künstlichen, aber sehr kindlich spielerischen Klang. Spass und Freude sind stete Begleiter, auch bei nachdenklichen Texten wie „Doubt My Legs“.

Die vierte Platte von Oh Land ist ein regenbogenfarbiges Produkt voller Pop und lustvoller Elektronik geworden. Musikalisch nie sonderlich komplex, sondern eingängig, ist das Album zwar etwas zu lange geraten, weiss aber immer wieder zu gefallen und frische Ideen aus dem Hut zu zaubern. Die Stücke sind intelligent und heben sich mit ihren verrückten Eigenschaften von der Konkurrenz ab. Für Freunde des nordischen Elektropop ein Muss.

Anspieltipps:
Head Up High, Doubt My Legs, Half Hero

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