Motorpsycho – Demon Box (1993)

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Motorpsycho – Demon Box
Label: Voices Of Wonder, 1993 / Remastered Edition: Rune Grammofon 2014
Format: Box mit 4 CDs, 1 DVD und Booklet
Links: Discogs, Band
Genre: Psychedelic, Folk, Hard, Space Rock

Wer Motorpsycho wie ich in der aktuellen Prog-Psych-Heavy-Rock-Phase kennen gelernt hat, für den ist das Erforschen der Vorgeschichte eine spannende und oft überraschende Angelegenheit. So hat die Band nicht nur mehrere Stilwechsel vollzogen, sondern gab sich früher auch mit einer sehr bescheidenen Produktion zufrieden. „Demon Box“ war das dritte Album der Norweger und beeindruckt mit seiner Länge. Als wieder veröffentliche Deluxe Version erhält man neu gleich vier CDs voller Musik und eine DVD mit bewegten Bildern. Die definitive Version?

Das eigentliche Album „Demon Box“ nimmt die ersten beiden CDs in Anspruch und wird erstmals komplett auf den Silberlingen präsentiert. Mehrere Stücke waren bisher der Vinyl-Edition vorbehalten, das wurde nun korrigiert. So darf man sich voller Freude in das Werk voller ausgeflippter Spielarten des Rock werfen. Egal ob psychedelisch, folkig oder einfach nur hart treibend, die Band zieht alle Register und mischt aus den Zutaten eine heisse Brühe. Im Gegensatz zu den folgenden Werken kleiden sich die Lieder aber in verschmutzte Gewänder und sind eher den Hobbyaufnahmen zuzuordnen. Das Schlagzeug klingt etwas blechern und scheppert vor sich hin, die Gitarren sind zwar druckvoll, aber am Volumen mangelt es. Dieser Umstand tut dem Genuss des Meisterwerks aber kein Abbruch, ist es eher ein Zeitzeugnis als ein Verlust. Wie von Motorpsycho gewohnt, liefern sie nichts unter dem Prädikat „genial“ ab. Auch hier glänzen die Musiker in allen Bereichen, egal ob ein Lied volkstümlich schunkelt und dabei den Knüppel hinter dem Rücken versteckt, oder ob es eine volle Breitseite Doom-Rock an die Nase knallt. Wer sich einmal in die Riffs und Melodien eingehört hat, kriegt nicht mehr genug. Auf knapp 90 Minuten wummert und kracht es, die Gitarren türmen sich zum Himmel und überlagern sich. Der Höhepunkt erfolgt klar im epischen „Demon Box“, da werden alle Schleusen geöffnet. Ein masslos gutes und vollgestopftes Werk, irgendwo zwischen all den wilden Köpfen der 90er-Jahre und dem Rock-Olymp.

Und um das Werk auch gebührend neu aufzulegen, gibt es auf der dritten CD die gesammelten EPs „Mountain“ und „Another Ugly“. Sanfter und beruhigter zeigt sich die Band auch hier nicht, man erhält sogar Liveaufnahmen und alternative Versionen. Und wer immer noch nicht genügend Holz zerhackt hat, der darf sich mit der vierten Scheibe in die dunkelsten Ecken der Box wagen. Raritäten, Outtakes und noch mehr Livemomente bescheren dem Fan ein Gefühl wie Weihnachten. Auf der DVD lässt sich ein Konzert von 1993 anschauen, genau in der Qualität, die man erwartet. Fehlt nur noch Bier, Rauch und Schweiss im Wohnzimmer, dann ist das Rockglück perfekt. Motorpsycho waren früher jünger und ungestümer (teilweise sehr nahe an Nirvana), aber nicht weniger grossartig – „Demon Box“ belegt das.

Anspieltipps:
Nothing To Say, Mountain, Demon Box, The One Who Went Away

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