Hot Chip – Why Make Sense? (2015)

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Hot Chip – Why Make Sense? 
Label: Domino, 2015
Format: Vinyl mit Bonus-EP, Download
Links: Discogs, Band
Genre: Synth-Pop, House

Peep Peep Fiebs, ersetze uns mit besseren Dingen. Was vor einigen Jahrzehnten Kraftwerk für die Popkultur waren, sind Hot Chip heute für den Pop. Dass hier Kultur fehlt, haben sie sich selber zuzuschreiben. Denn mit dem neusten Album „Why Make Sense?“ verliert sich die Band in der Redundanz und muss dabei Ideenmangel zugeben.

Die Platte beginnt aber ganz vielversprechend und kann auf der ersten Seite mit „Huarache Light“, „Cry For You“ und „Started Right“ gleich drei der Höhepunkte präsentieren. Die Musik stammt dabei komplett aus dem Computer oder angehängten Hilfsmitteln – meint man zumindest. Mit Samples, Drumpatterns und viel verfremdeten Aufnahmen gleiten Hot Chip ohne Ecken dahin, kein Staubkorn ist auf ihren knallbunten Hemden zu finden. Ab und zu findet man ein Gitarrenlick oder einen tiefen Basslauf, aber meist halten die Synths die Flagge hoch. Mit dieser Formel haben die Londoner in ihrer Karriere eine neue Art von Pop erschaffen, sozusagen den Indietanzpoptronic. Aber auch einem Tausendsassa kann die Inspiration abhanden kommen. Spätestens bei „White Wine And Fried Chicken“ realisiert man als Hörer, dass bei dem vorliegenden Werk die Theorie andere Wege ging als die Praxis. Zwar ist die Musik immer interessant und voller witziger Einfälle, mangelt aber des gewissen Pep. Hat sich die Formel etwa schon zu Tode gespielt? Eigentlich nicht, denn Käufer der edlen Erstauflage werden mit der „Separate“ EP belohnt, einer zweiten Scheibe mit vier Liedern, welche die genialen Überlegungen der Musiker honorieren. Die Stücke sprudeln vor kuriosen Soundtüfteleien, absurden Textpassagen und mitreissenden Beats. Gerade das gleichnamige Stück mit dem unwiderstehlichen Ausspruch „Separate The Head From The Body“ ist ein unvergesslicher Ohrwurm. Hier kommen die Euphorie und Ausgelassenheit eines Clubbesuches hervor, die man beim Hauptalbum teilweise vermisst. Warum hat die Band diese Lieder nicht auf das Album gepackt, dafür gewisse mediokre Momente weggelassen? Macht keinen Sinn, will es laut Titel auch nicht.

Hot Chip glänzen nicht mehr so stark wie vor einigen Jahren, machen aber immer noch Spass. So darf man endlich wieder seine ungelenken Tanzversuche starten und dabei die Hornbrille mit beiden Händen festhalten. „Why Make Sense?“ ist kein Muss oder Bekehrungsgrund, für Fans jedoch eine nette Platte für Zwischendurch, die aber nur Appetit auf mehr macht.

Anspieltipps:
Huarache Lights, Cry For You, Need You Now // Separate

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