Jamie XX – In Colour (2015)

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Jamie XX – In Colour
Label: Young Turks, 2015
Format: 3 x Vinyl mit CD
Links: Discogs, Künstler
Genre: Techno, House, Garage

„Didn’t I Take You To Higher Places / You Can’t Reach Without me“. Für mich ist Jamie Smith, besser bekannt als Jamie XX, ein klarer Fall von Wunderkind. Der junge Engländer begeistert mit seiner Band The XX Indie- und nachdenkliche Electronica-Jünger zugleich, und formte mit diesen Alben die Klangwahrnehmung der frühen 2010er Jahre. Er selber legt seit einigen Jahren auf und tritt auch als Produzent in Erscheinung. Nach vielen Singles und dem Remix-Werk „We’re New Here“ gibt’s nun endlich das reine Album von Herr XX.

„In Colour“ überzeugt bereits, bevor man die Platte aufgelegt hat. Mit der strikt geometrischen Gestaltung und dem Regenbogendesign hält er sich nicht nur an seine eigene Doktrin, sondern visualisiert den Titel. Diese Linie zieht sich über das Vinyl weiter, das hier als limitierte Auflage mit drei 12inch-Platten präsentiert wird. Farbenfroh ist auch der musikalische Aspekt des Albums, hat Jamie mit „In Colour“ doch ein vielfältiges und vorbildliches Abbild der aktuellen, elektronischen Musikszene von Südengland erschaffen. Egal ob House, Techno, Garage, Minimal, Ambient, Remix oder Dub, alles findet seinen Weg in die elf Tracks. Homogen und faszinierend fliessend, nie ist man überfordert. Das wahre Talent von Jamie XX zeigt sich aber auch hier im Sampling und dem Schichtaufbau der Lieder. Umwerfend wie effektvoll und verzaubernd der Künstler seine Spuren langsam auftreten, ineinander verzahnen und sanft verschwinden lässt. Dadurch wirkt das Album nie gehetzt oder erzwungen, und schon nach wenigen Durchgängen hat man sich in fast alle Lieder verliebt. „Sleep Sound“ und das Jahrhundertstück „Girl“ kannte ich bereits von der Single, aber auch neue Momenten wie „Gosh“, „Seesaw“, „Loud Places“ und „The Rest Is Noise“ sind fast zu gut um wahr zu sein. Wie hier Technik und Emotion sich zu einer Einheit formen und mitreissen, sowas hört man selten bei einem solch frischen Künstler. Dank Gastsängerinnen und Sänger erhält die Scheibe viel Tiefe, genau wie die Verwendung von älteren Klangerzeuger und Techniken. Und dabei wird sogar das praktisch unmöglich Kunststück vollbracht, Steeldrums gut klingen zu lassen!

Mit seinem ersten vollwertigen Album hat Smith nicht nur ein Meilenstein produziert, sondern in meinen Augen das wohl bisher wichtigste, elektronische Album des Jahres 2015 erschaffen. „In Colour“ ist eingängig, voller Diversität und Verneigungen vor der Vergangenheit und Zukunft. Mit so vielen Highlights, dass ich jedes Lied als Anspieltipp auflisten möchte.

Anspieltipps:
Gosh, Seesaw, Loud Places, The Rest Is Noise, Girl

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4 Kommentare

  1. Der Artikel macht auf jeden Fall Lust, sich damit nochmal auseinanderzusetzen! Obwohl ich beim ersten Kontakt mit der Platte irgendwie nicht so begeistert war. Ich werde wohl nochmal reinhören müssen. Danke dafür!

    Kurze Anmerkung aber: Das Video funktioniert leider nicht. Ist in Deutschland wohl gesperrt.

    Liebe Grüße,
    Chris

    1. Danke sehr. Bei mir hat das Album auch nicht gleich „klick“ gemacht, aber nach mehrmaligem Hören liebe ich die Platte.
      Und da ich in der Schweiz lebe, kann ich die Verfügbarkeit in Deutschland leider nicht prüfen. Sorry.

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