My Morning Jacket – The Waterfall (2015)

My Morning Jacket The Waterfall_MBohli

My Morning Jacket – The Waterfall
Label: ATO Records, 2015
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit CD
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative Rock, Prog, AOR

My Morning Jacket erschienen per Zufall auf meinem Radar, blieben aber seither in meinem Herzen und Sammlung. Die Band um Sänger Jim James versteht es ihre Musik an der Schwelle von Vergangenheit und Gegenwart anzusiedeln, Grenzen auszuloten und oft auch etwas übermutig Ratschläge in den Wind zu schiessen. Gerade auf ihren letzten beiden Platten wäre etwas mehr Qualitätskontrolle und Zusammenhalt wünschenswert gewesen, doch der Wasserfall fliesst nun wieder in sicheren Bahnen.

Achtziger, Adult Oriented Rock, Falsettstimme und ein „doch nicht ganz“ Konzeptabum – „The Waterfall“ ist zuerst mal ein interessantes Sammelsurium von unaktuellen Aspekten im Rock. Doch Kenner der Band erwarten nichts anderes, wussten die Amerikaner immer mit diesen untypischen Voraussetzungen grossartiges zu basteln. Dank James‘ hoher Stimme und seinen tollkühnen Gesangseinsätzen war die Gruppe immer unverkennbar. Auf „The Waterfall“ hält er sich zwar ein wenig zurück, bietet aber weiterhin die bekannten und geliebten Ausrufe und Schreie. So ist es einfach nur genial, wie er sich bei „Thin Line“ in einer wunderbaren Melodie in die Höhe schwingt. Die Musiker hinter ihm schlagen zwar keine solch grossen Kapriolen, zimmern aber mit langen Bärten Lieder, die so nur aus den USA stammen können. Gezupfte Gitarren wie am Lagerfeuer, Synthteppiche und ein stampfendes Schlagzeug, sanfte Geigenläufe, emotionale Steigerungen und mitreissende Harmonien. „The Waterfall“ funktioniert besonders als Einheit, denn die Stücke greifen gegenseitig Themen und Stellen wieder auf, fliessen in sich über und wirken als grosses Ganzes. Jim James dichtet sich dabei so persönliche und nachdenkliche Verse dazu, wie selten von ihm vernommen. Herrscht bei My Morning Jacket sonst vielfach die Fröhlichkeit, darf hier auch reflektiert und kritisiert werden. Das tut dem Album und der Musik gut, erhält es dadurch Intensität und Kohärenz.

Ich mag es, wenn Alben den aufmerksamen Zuhöhrer belohnen und nicht nur auf Effekte setzen. So lasse ich mich auch sehr gerne bei „The Waterfall“ von den Gitarren tragen, in die grossartige Mischung aus altem Rock, Prog und Folk einlullen und dabei alle Klischees der 80er vergessen, die andere Bands bei solchen Experimenten ausgraben. My Morning Jacket sind wieder ruhiger und so gedankenversunken wie nie. Und genau darum auch fast wieder so gut wie damals bei „Z“.

Anspieltipps:
Believe (Nobody Knows), In It’s Infacy (The Watefall), Thin Line

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