Muse – Drones (2015)

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Muse – Drones
Label: Warner Bros. Records, 2015
Format: CD im Digipak, mit DVD
Links: Discogs, Band
Genre: Stadion-Art-Rock

Da sind sie also wieder, die Herren Bellamy, Howard und Wolstenhome, besser bekannt als Stadionrocker Muse. Ihre Rückkehr beäugte ich zuerst aber sehr vorsichtig, hat das Trio bei mir doch den Schritt von Lieblingsband zu „ok, aber leider nicht relevant“ geschafft. Grund dafür waren vor allem die Studioalben, die leider mit den Jahren immer überladener und wirrer geworden sind. Was zuerst knalliger Art-Rock war, wurde Kaugummi-Oper. Mit „Drones“ gelobt die Band nun aber Besserung, wenn auch noch nicht in alter Form.

Dass Muse schon immer eine politisch interessierte und wachsame Band waren, ging dank all dem Kitsch gerne vergessen. Wie der Name vom neusten Album aber schon sagt, war es Bellamy auch dieses Mal wichtig, rockuntypische Themen aufzugreifen und zu verarbeiten – gerade weil der unbemannte Krieg mit Drohnen und Robotern immer mehr Wirklichkeit wird und die Feigheit im Kampf noch stärker fördert. Ob es an einer Stadion-Band liegt, diese Punkte aufzugreifen, sei mal dahingestellt; ich sehe es auf jeden Fall gerne, wenn Musiker wieder politischer auftreten. Und mit diesem geerdeten und realistischen Thema kam bei Muse auch der Rock zurück. Die Band gibt selber zu, sich auf den letzten Platten (und besonders auf „The 2nd Law“) etwas im Prunk und den Möglichkeiten verloren zu haben, nun aber die Umkehr wagen. Die Songs sind kompakter, dem Klang für drei Menschen angepasst, verfügen über viel Groove und Gitarren und dürfen auch gerne kurz sein. Man darf sich vom Eröffnungsstück „Dead Inside“ nicht täuschen lassen, die R’n’B- und Dance-Aspekte fallen auf dem restlichen Album komplett weg. Alles klingt wieder mehr nach „Absolution“ oder „Black Holes…“, fällt aber auch oft in die Falle der eigenen Repetition. Gerade Stücke wie „Psycho“ klingen doch sehr wie Selbstzitate. Klar, die Band hat ihren eigenen Stil und Klang erarbeitet, doch die Riffs und Gesangsmelodien erinnern mehrmals zu stark an andere Lieder in ihrem Repertoire. Zusammen mit den meist zu plakativen und schematischen Texten hinterlässt das Werk etwas zu oft einen bitteren Nachgeschmack. Auf praktisch jede Enttäuschung folgt aber ein Glücksmoment, sei dies nur ein interessantes Gitarrenspiel zwischen den Zeilen oder ein böse grummelnder Bass. Bei „Reapers“ klappt dann zum ersten Mal alles und der Song steigt sofort in die Bestenliste auf. Warum nicht mehr davon?

„Drones“ ist Mittelmass, so Leid es mir tut, dies zu schreiben. Die Band hat sich zwar erholt und den Kopf aus dem Kitsch-Treibsand gehoben, verfängt sich aber in Plattitüden und zu einfachen Lösungen. Muse machen wieder mehr Spass und rocken fast wie früher, haben aber musikalisch nicht mehr viel Neues zu sagen – das zeigt auch die Operette am Schluss des Albums. Vielleicht wäre es doch an der Zeit, sich neu zu orientieren. Live ist die Truppe aber immer noch ein Muss.

Anspieltipps:
Dead Inside, Reapers, Defector

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2 Kommentare

  1. Muse war noch nie mein Fall, von daher erspar ich mir die Enttäuschung.
    Gespannt bin ich aber noch auf FNM, was ich bislang gehört habe, oh weh.
    Und die Blues Pills dann noch, aber die sind ja erfrischend retro.

    1. Die neue FNM ist super! Als wären die Jungs nie weg gewesen. Da ist dein Geld besser aufgehoben.
      Blues Pills kenne ich bis jetzt nicht, aber die spielen dieses Jahr am Heitere Open Air. Da werde ich reinhören.

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