Cobain – Montage Of Heck

Zuerst gleich eine etwas peinliche Beichte: In meiner Sammlung steht keine einzige Scheibe von Nirvana, nichts. Die Band kenne ich seit vielen Jahren, habe immer wieder Lieder von ihnen gehört, oder im Freundeskreis darüber diskutiert. Doch ein Album kaufen? Nein danke. Es hat mich nie genügend gepackt, etwas fehlte mir immer. Und dies trotz der Faszination, die von der Gruppe ausging. Den Dokumentarfilm „Cobain – Montage Of Heck“ hab ich mir aber gerne zu Gemüte geführt, auch wenn meine Meinung zum Künstler nun noch etwas tiefer ist.

Der Film ist die erste Doku über das Leben und die Leiden des jungen K., in der alte Filmaufnahmen und Tagebücher verwendet werden, die im Besitz der Familie sind. Anhand dieser Dokumente, zusätzlich zu vielen Zeichnungen, Interviews und TV-Ausschnitten, wird das Leben von Kurt nachgebildet. Man erfährt viel über seine familiären Verhältnisse, die schwierigen Umstände in seiner Kindheit und seine Probleme mit seinem Umfeld. Schon bald ist klar, diese Person wird es im weiteren Leben nie leicht haben und ist für immer geschädigt. Seine frühen Skizzen und Texte zeigen dies sehr gut, oft handelt es sich um gewalttätige Ausbrüche. Dank der Musik findet Kurt ein Medium, seine Emotionen und Gedanken in künstlerischer Form festzuhalten, und mit Freunden auszuleben. Nirvana sind geboren. Doch auch jetzt wird es nicht einfacher, denn mit der Musik kommt der Ruhm und das Geld. Cobain versteckt sich hinter seiner Fassade und driftet in den Drogensumpf. Durch neue Bekanntschaften und die Beziehung zu Courtney Love verliert er sich immer mehr im Wahn. Auch die Geburt von seiner Tochter Frances hilft dem jungen Mann nicht mehr, er bringt sich mit 27 Jahren um.

So unerträglich traurig die Geschichte um Kurt ist, so hart und unverfälscht wird sie im Film gezeigt. Man sieht schlimme Homevideos von der Junkiefamilie Cobain, ziellose Interviews und Ausbrüche an Konzerten. Obwohl der Film mit dem Auftreten von Courtney etwas zu Lasten ihres Egos abdriftet, das tieftraurige Ende gerät erstaunlich still und sanft. Keine sensationsgeilen Aufnahmen und Zitate. Diese bietet die schrecklich geliftete Frau Love vorher selber, der Film könnte teilweise in „Love – Montage Of Titts“ umbenannt werden. Wer aber über diesen Egotrip hinweg sieht, findet genügend gute Momente in der Dokumentation. Schade, dass Dave Grohl nie zu Wort kommen darf und dass die Musik oft etwas in den Hintergrund gerät.

Was bleibt, ist ein düsteres Portrait über einen jungen Menschen aus den USA, der nie Fuss in dieser Welt fassen konnte. Dass er durch diese Leiden zu einem Sprachrohr einer Generation wurde ist eher erschreckend und in meinen Augen nicht immer nachvollziehbar. Denn ein Familienvater, der sich tagelang mit Heroin vollpumpt, seine Band im Stich lässt und ein Kleinkind ohne Vater aufwachsen lässt, ist kein Vorbild. Auch wenn die technische Seite des Filmes von allerhöchster Qualität ist, und der kometenhafte Aufstieg von Nirvana noch immer fasziniert, kann mein ‎Fazit aber nur lauten: F**k dich Kurt.

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3 Kommentare

  1. Der Kurt-Kult ist mir auch ein wenig suspekt, und wie wäre es wenn er noch aktiv wäre?
    Ich nenne nur die Nevermind mein eigen und ich hab sie in der Zeit der VÖ gekauft. Klar, Smells like… hat mir die Scheiben meines ersten Autos nahezu zum Platzen gebracht.
    Mein Fav vielleicht der letzte Titel des Albums, sehr intensiv. Bald zerfällt sie zu Staub, ist ja fast 25 Jahre alt. Reinhören lohnt. Aber es war eine andere Zeit.

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