Ulver – Messe I.X-VI.X (2013)

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Ulver – Messe I.X-VI.X
Label: Kscope, 2013
Format: Vinyl, Picture Disc
Links: Discogs, Band
Genre: Moderne Klassik, Ambient, Electronica

Gewisse Musiker und Bands beschreiten in ihrer Karriere Pfade, die sie nicht nur durch diverse Phasen und Stilrichtungen bringen, sondern auch an die Grenzen von Definitionen und Beschreibungen. Ulver überraschen auf jedem Album neu, mal werden sie härter, mal mystischer. Ihre Messe aber stellt etwas bisher ungehörtes dar, eine Sinnesreise ins Dunkle, voller Licht und Gestalt.

Um das Album zu geniessen, muss man den Kopf frei machen und sich vom Schubladendenken trennen. Die Band und das Kammerorchester Tromsø vermengen während ca. 45 Minuten nicht nur Klassik und orchestrales Spiel zu einem dunklen Gebräu, sondern fügen nach und nach Ambient, Feldaufnahmen, Elektronik und abstrakten, psychedelischen Rock hinzu. Steigerung ist das gewinnbringende Wort, wandeln die meisten Stücke doch auf sehr leisen Pfaden, um mit jeder Minute zu einem bedrohlichen Gewitter heranzuwachsen. Oft kann man nicht genau beziffern, wie das Gehörte nun zu beschreiben ist. Gemeinsames Element ist meist nur die Dunkelheit, die traurige Schwingung der Musik. Geigen spielen gegen verzerrte Synths an, im Hintergrund rattern Aufnahmen von Gewehren und irgendwo glaubt man eine verfremdete Stimme zu hören. Struktur und normalen Ablauf kennt das Album genau so wenig, wie klare Songaufteilung. Die Musik ist ein Gesamtwerk, eine Klangwelt, die zuerst erkämpft werden muss. Viele Zusammenhänge erschliessen sich erst nach mehrmaligem Genuss, plötzlich ergibt die Musik Sinn und öffnet sich. Zu Beginn können die Ebenen verwirren, gerade da jeder Track wieder völlig anders aufgebaut und dargestellt wird. Mal mit mehr Elektronik, mal mit Rockformation, dann wieder ganz leise und nur mit einer Rauschverzierung. Wenn gegen Ende des Album dann plötzlich Gesang hinzu kommt, verstärkt dies den Eindruck der instrumentalen Erzählstruktur umso mehr.

„Messe I.X-VI.X“ ist ein bewundernswertes Kunstwerk, eine Schöpfung der komplexen Musik von höchster Qualität. Gerade deswegen ist die Platte bei weitem nicht für alle geeignet, wer sich aber mit genügend Zeit darauf einlässt, wird von einer neuen Art der Musik empfangen, die gefangen nimmt. Ulver haben mit dieser neusten Metamorphose nicht nur Bewegendes erschaffen, sondern auch den Schritt zur E-Musik geschafft.

Anspieltipps:
As Syrians Pour In, Lebanon Grapples With Ghosts Of A Bloody Past; Son Of Man; Mother Of Mercy

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