Amon Tobin – Dark Jovian (2015)

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Amon Tobin – Dark Jovian
Label: Ninja Tune, 2015
Format: 2 x 12inch Vinyl in Gummischeibe, Plastikgehäuse
Links: Discogs, Künstler
Genre: Electronica, Avantgarde

Der Ausnahmekünstler Amon Tobin liess lange nichts von sich hören. Seit der Veröffentlichung von „ISAM“ im Jahre 2011 wartet man auf neues Material. Nun aber hat dieses Ausharren endlich ein Ende, pünktlich zum Record Store Day kam die EP „Dark Jovian“ in die Läden. Und übertraf alleine mit ihrer Verpackung alle Erwartungen, um dann mit der Musik alle Versprechen einzulösen.

Die Musik versteckt sich auf zwei weissen 12inch Vinylscheiben, je einseitig bespielt. Auf der A-, respektive D-Seite findet man ein kunstvolles Etching, dass zugleich die Funktion des Covers übernimmt. Denn beide Platten bilden zusammen mit einer Scheibe aus Gummi ein Kunstobjekt, verpackt in einem Plastikgehäuse. Der Musiker kann nun also auch im Kunsthaus betrachtet werden, oder sollte es zumindest. Musikalisch gesehen macht er es dem Konsumenten schliesslich genau so schwierig, wie Kunst zumeist funktioniert. „Dark Jovian“ ist eine düstere und oftmals bedrückende Reise in die fernen Bereiche unserer Galaxis. Wie Filmmusik aus einem Horror-Sci-Fi Film anmutend, reitet man auf Synths durch kosmische Nebelfelder, wird von Gravitationszentren zerdrückt und landet im Herzen einer Sonne. Mit grandiosem Programming und extremen Einfallsreichtum verzückt und verstört Amon Tobin gleichzeitig. Die kurzen und prägnanten Tracks haben eine Dichte, die man selten im Bereich der elektronischen Musik wahrnimmt. Dass sich der Künstler dabei etwas von seinen abgehackten und stotternden Lieder entfernt, soll mir recht sein. Die Musik lässt sich so ohne Einschränkungen geniessen und auf sich wirken. Reisst der Anfang in einen pochenden Strudel, wiegt die Mitte in warmen Wellen, um am Ende komplett extraterrestrisch die Insektenzangen ins Ohr zu bohren.

Als Zugabe erhält man gleich noch vier Remixe von einzelnen Songs. Dass diese dabei eher der Struktur dienlich und stärker an das Format gebunden sind, stört nicht. Denn so abstrakt und von allen guten Geistern verlassen schreibt und produziert halt nur einer. „Dark Jovian“ ist eine meisterliche Mischung aus Klaustrophobie, HR Giger, Jean Michel Jarre, Frequenzstörungen und Experimentierfreude. Egal wie lange man auf diese Scheiben warten musste, jede Sekunde hat sich gelohnt.

Anspieltipps:
Dark Jovian, Encounter On IO

Amon Tobin_Dark Jovian_MBohli 2

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