Live: Mono, Exil Zürich, 15-04-29

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Mono
Support: Helen Money
Mittwoch 29.04.2015
Exil Club, Zürich

Sind zwei Post-Rock Konzerte innert einer Woche etwa zu viel? Habe ich die Lust an diesem Musikstil verloren? Man könnte es fast meinen, denn der Auftritt von Mono hat mich leider nicht so gepackt, wie es zu wünschen wäre. Obwohl, hier Vergleiche mit Godspeed You! Black Emperor zu ziehen wäre auch unfair.

Der Abend im Exil Club in Zürich startete aber nicht nur vielversprechend, sondern auch angenehm verschroben. Die US-Amerikanerin Helen Money betrat nur mit Cello und einigen Effektgeräten die Bühne. Die Befürchtung, jetzt schwulstige Musik aus dem Umfeld von Apocalyptica hören zu müssen, verflog bereits nach wenigen Sekunden. Helen spielte ihr Instrument nicht, sie bearbeitete es. Tiefdunkle und harsche Klänge, Knarren und Schreie prügelte sie aus den Saiten, stark verzerrt und verfremdet mit viel Hall, Echo und Rauschen. Die Musik folgte nicht Songs, sondern kurzen Momenten und Abschnitten. Ihr Doom zeigte allen Zuschauern, dass auch klassische Instrumente komplett zweckentfremdet werden dürfen. Mit vielen Samples und Loops kreierte Helen ein volles Klangbild, auch mit hartem Schlagzeug ab Konserve. Gewöhnungsbedürftig, aber sehr einvernehmend und beeindruckend. Auch wenn die Zuschauer nicht immer wussten, ob sie nun klatschen sollen, bei mir hinterliess die Frau einen bleibenden Eindruck.

Dies vermochten Mono leider nicht zu erreichen, auch wenn es über die Band eigentlich nichts schlechtes zu schreiben gibt. Die Musiker aus Japan beherrschen ihr Metier sehr gut, und spielen die langen und epischen Post-Rock Lieder in technischer Vollendung. Gerne verlieren sie sich in den Wiederholungen und Steigerungen, um immer wieder mal Stücke in ohrenbetäubenden Noise-Attacken enden zu lassen. Dabei vermischen sich Gitarren, Keyboard oder Bass zu einem Sturm aus Lärm und Schallwellen. Ganz den puristischen Genrevorgaben folgend, findet man in ihrem Auftritt keinen Gesang, wenig Interaktion mit dem Publikum und viele geschlossene Augen. Mit lauten Gong dringt sogar ein wenig asiatisches Flair in die Musik. Und trotzdem hat mich ihre Musik nicht abgeholt. Alles war mir zu generisch, zu Standard. Die gespielten Songs klangen wie Lieder von unzähligen anderen Bands aus diesem Gebiet, besondere Merkmale konnte ich nicht ausmachen. Sicherlich, ich kenne die Band nicht wirklich gut, und kann darum ihre Stücke auch nicht auf Anhieb unterscheiden. Doch wo sind die Eigenheiten? Gerade bei einer Band aus Japan fehlte mir hier das exotische Element. Für Fans war es aber ganz klar ein toller Abend und ein super Konzert, das gerne den gesamten Körper in Schwingung versetzte. Mich selber führte der nachträgliche Gang zum Merchandise-Stand aber zu Helen Money.

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