Recoil – Unsound Methods (1997)

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Recoil – Unsound Methods
Label: Mute, 1997
Format: CD
Links: Discogs, Band
Genre: Trip-Hop, Downtempo, Experimental

Unsere Welt ist voller Dunkelheit, kranker Menschen und schlimmer Gedanken. Oft wird diese Tatsache übersehen, denn es gibt genau so viele positive Aspekte in unserem Leben. Doch die Hingabe in diese Unterwelt, in diese Abartigkeiten kann genau so interessant und bereichernd sein, solange man dem Wahnsinn entweichen kann. Alan Wilder, Gründungsmitglied von Depeche Mode, hat seine Musik schon seit eh und je den dunklen Schattierungen gewidmet. Mit „Unsound Methods“ seiner Inkarnation als Recoil wohl aber perfektioniert.

Bereits ab der zweiten Minute bei „Incubus“ weiss der Hörer, Gänseblümchen und Honigschnitten findet man hier nicht. Wie der namensgebende Dämon schleicht sich das Lied an, legt sich auf deinen Körper und saugt dich aus. Die Musik klingt bedrohlich, die Stimmen schreien und murmeln verschwörerisch. Gottloser Gospel trifft auf teuflische Elektronik, Hörspielcharakter mischt sich mit sakralen Harmonien. Immer weiter baut sich das Lied auf und überwältigt dann mit einer Wucht, die nicht von Menschenhand geschaffen scheint. Alan Wilder weiss haargenau, wie Klang und Ton aller Arten zu kombinieren sind. Seine Lieder muten teilweise wie Hörspiele an, die Texte erzählen die passenden Geschichten, oft mehrstimmig dargeboten. Wie bei „Luscious Apparatus“, der verstörenden Story über den wilden und blutigen Sex zweier Arbeitskollegen einer Mayonnaisefabrik. Unterwerfung, Sex und Psychospiele, „Unsound Methods“ nimmt dich gefangen in einer Katakombe voller unangenehmer Momente. Ob dies mit Trip-Hop geschieht („Drifting“), oder mit Musik, die wie der verstossene Bruder von Depeche Mode klingt, alles ist perfekt produziert. Oft fällt auf, wie weit sich die Lieder von ihrem eigentlichen Körper entfernen und mit Schichten von Klangexperimenten zugedeckt werden. Dass sich alles in Balance hält, ist dem Schreibtalent von Wilder zuzurechnen. Die Stücke sind sehr eingängig und besitzen viel Hitpotential, das sie zugleich mit ihrem Inhalt und ihrer Gestalt zerstören. Aber diese Musik sucht sich auch nicht die willige Masse, sie zwingt die Untertanen zum dreckbeschmierten Glück.

Mit diesem dritten Album unter dem Namen Recoil wurde von Wilder eine Platte aufgenommen, die als Mensch schon lange im Gefängnis stecken würde. Mit dem Fokus auf den Abgründen der Menschen wird die Musik ein ungemütlicher Trip, ohne je ihren Reiz zu verlieren. Wer gerne auch mal etwas Makaberes hört: Hier wird man bedient.

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