Record Store Day 2015

Alle Jahre wieder im April luden die Plattenläden zum intensiven Besuch ein. Was für andere Leute die Jadg nach den Osternästchen ist, bleibt bei uns Vinyl-Freaks die Suche nach limitierten Pressungen und Sonderauflagen am Record Store Day. Um die unabhängigen Geschäfte zu zelebrieren, und den Musikfans wieder mal zu zeigen, dass lokale Geschäfter den anonymen Onlinestores überlegen ist, wurde der „Record Store Day“ ins Leben gerufen. Nebst vielen Vinylschätzen, welche nur an diesem einen Samstag erhätlich sind, gibt es hier die Möglichkeit endlich mal tiefer mit den Besitzern, Sammlern und Stammkunden ins Gespräch zu kommen, ein Getränk im Laden zu verzehren und gemeinsam mit DJs über spezielle Single fachzusimpeln. Das Gefühl, die Vinylszene sei eine grosse Familie, wird nicht nur verstärkt, sondern auch klar gefördert. Plötzlich ist die Sucht und das Sammelfieber ein normaler Zustand und nichts zum schämen.

Ob der Tag für die Industrie und Gemeinde nun ein Fluch oder Segen darstellt ist schwierig zu beurteilen. Wie letztes Jahr beschrieben, bietet ein solcher Anlass Vor- und Nachteile, ich möchte mich hier aber nicht wiederholen. Im Grossen und Ganzen macht es halt doch Spass, an diesem speziellen Samstag die Läden abzuklappern, mit der Hoffnung, endlich doch die gewünschten Editionen zu finden, oder gar unerhoffte Glücksgriffe zu landen. Wobei dies nicht immer so einfach ist, geschieht der Verteilung der Platten doch ziemlich willkürlich. Trotzdem hab ich viel gewünschtes Gefunden, und meine Geldbörse geleert.

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Die erste Anlaufstelle im Why Not in Zofingen brachte die gewünschten Singles von hübschen Frauen und verrückten Amerikanern in meine Hände. The Flaming Lips feiern die angekündigte Neuauflage von „Clouds Taste Metallic“ mit drei 10inch-Singles voller Outtakes, alternativen Versionen und Albumtracks. Drei mal Farbe und drei Mal viel Psychedelic. Etwas zaghafter gehen da Florence + The Machine vor, bieten sie doch „nur“ zwei Lieder vom kommenden Album, dafür auf einer hübschen, golden verpackten 12inch. Banks lässt sich lieber gleich komplett durch den Wolf drehen, mit Remixe zu „Beggin For Thread“.

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Viel los war im Dezibelle in Aarau, fanden sich auch dieses Jahr hier wieder Plattenfreunde und Szenengänger ein, um ihre eigenen Musikwünsche vom DJ abspielen zu lassen, mit Dimi etwas zu trinken und natürlich Vinyl einzukaufen. Eine ausgelassene und tolle Stimmung, untermalt mit vielen guten Songs. Dies animierte mich, nicht nur die technoiden Remixe von Noel Gallagher, sondern auch unveröffentliche Songs von Lamb einzupacken. Die Single von Nick Cave stammt zwar vom letztjährigen Black Friday, fügt sich aber gut ein. Und „Jubilee Street“ als Live-Version muss einfach gehört werden. Gratis gab es obendrauf noch einen Sampler mit elektronischer Musik aus Finland.

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Als letzte Haltestelle beehrte ich den Zero Zero in Baden. Wie auch das reguläre Angebot, war die Auswahl an RSD-Titeln ziemlich gewaltig. Für meinen Geschmack tummelte sich zwar etwas viel im Bereich der wiederveröffentlichten Klassiker, aber dies wird sowieso immer ein Problem des Record Store Day bleiben. Die hübsche Picture Disc zum Jubiläum von „The Holy Bible“ der Waliser Manic Street Preachers hab ich aber auch eingepackt. Mit dem Cover lockend, haben mich dann Daughter und Warpaint rumgekriegt, die sich hier gleich mal gegenseitig neu abmischen. Das Highlight blieb aber eine Kartonschachtel, in der sich ein weisses Rad verbarg. Amon Tobin veröffentlichte seine neue EP in kunstvollerweise, und ich habe erst zu Hause begriffen wie man dieses Ding anhören kann. Mehr dazu aber an anderer Stelle.

Der RSD 2015 war für mich als Sammler und Plattenjäger wieder eine spassige Angelegenheit, für mich als Besucher von Plattenläden ein toller Tag um bekannte Gesichter zu treffen, und für mich als nun armer Mann mein Geld in Erdöl umzutauschen. Auch wenn ich gerne über die Politik und Praktiken dieses Tages fluche, es übt weiterhin grossen Reiz aus, gewisse Pressungen aufzusuchen und mitzunehmen. Nur schade, findet man die Auflagen aus den USA hier nicht. Oder besser so?

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7 Kommentare

  1. Für mich war der Samstag auch ein sehr kostenintensiver Tag. Bist du irgendwo auf die Biffy Clyro oder die Jesus & Mary Chain gestoßen? Die haben mir noch zu meinem Glück gefehlt. Ansonsten haben wir einen Kauf gemein, nämlich mein Lieblingswerk der Manic Street Preachers.^^

    1. Hach die Sucht immer. 😉
      Ja, die Biffy Clyro gabs im Zero Zero in Baden. Die Jesus & Mary Chain sah ich aber nirgends. In der Schweiz ist es gerade in kleineren Ortschaften sehr schwierig, an die RSD-Ausgaben ran zu kommen.
      Cool, ich muss hierzu aber anmerken, dass ich das Album bisher nicht kenne. Die Band mag ich aber sehr.

      1. Boar, wie teuer? Ich muss sie haben. (Könnte ja auch alle Berliner Plattenläden abklappern, aber nee😂) uuuhh, echt? Das ist das deprimierendste, hasserfüllteste Album der Herren. Ein Klassiker der franzschen Pubertät. Jetzt frag mich schon, was ich alles gekauft habe. Ich muss es jemandem doch beichten.

        1. Uh keine Ahnung, hab den Preis nicht angeschaut. Aber wenn du sie unbedingt willst, dann kann ich sie dir kaufen und dann Mal nach Berlin bringen (falls die noch im Geschäft rumliegt und wir beide Puzzle meinen).
          Cool, dann bin ich sehr gespannt drauf. 😀

          Haha jaa, liebes Franzi, was hast du alles gekauft?

        2. Jaaa, das klingt doch nach nem Deal.^^

          Also Herr Bohli, ich habe neben „The Holy Bible“ die Singles von Monty Python und Ryan Adams gekauft. Außerdem den OST von „Darjeeling Limited“, das letzte Album des Herrn Cave, das zweite Album von QOTSA, das einzigwahre Album von Bright Eyes (wo „Lua“ drauf ist) und die sehr heilige Lateralus Picture LP von Tool.

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