The Young Gods – Music For Artificial Clouds (2004)

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The Young Gods – Music For Artificial Clouds
Label: Intoxygene, 2004
Format: CD im Digipak
Links: Discogs, Band
Genre: Ambient, Industrial

The Young Gods sind vieles, Schweizer, Industrial-Pioniere, Klangtüftler und oft unter ihrem Wert verkaufte Musiker. Doch ein Ambient-Album erwartet man von diesen lauten Musikern wohl nicht direkt, auch wenn ihre Musik oft mit Soundscapes und elektronischen Spielereien aufwartet. Als Auftragsarbeit zu einer TV-Dokumentation über Regenwälder versuchte sich die Gruppe an etwas Neuem – „Music For Artificial Clouds“ macht es dabei nicht jedem leicht. Erwartungshaltungen werden schliesslich ignoriert, Formate missachtet.

Soundtrack- und Ambientarbeiten existieren oft in einer Zwischenwelt aus Wahrnehmung und unbewusstem Konsum. Die Musik wabert und fliesst sanft dahin, unterstützt Emotionen oder verstärkt Bilder. Ohne diese weiteren Komponenten erscheint das Gehörte vielfach flach oder ausdruckslos. Wenn man aber die Lieder als Untermalung von Aktivitäten oder Gedankengängen einsetzt, funktioniert es plötzlich wieder. „Music For Artificial Clouds“ kippt in diese Richtung, weiss aber auch bei direkter Konfrontation zu gefallen. Das Album klingt oft selber wie ein Wald aus tropfenden Quecksilberfäden, funkelnden Stahlplatten und aufflackernden LEDs. Was im TV als Kontrast zur grünen und satten Natur perfekt platziert wird, entfaltet als alleiniges Produkt eine Wirkung, die man auch bei der Musik zu „Blade Runner“ wahrnimmt. Futurismus in Musikform, sterile Schönheit, von Robotern poliert. The Young Gods sind nicht nur dafür bekannt, ein komplettes Genre begründet zu haben, sondern ihren Klang gerne auszubauen und in den Liedern den Krach hübsch zu schmücken. Das kommt ihnen hier zugute, eine Scheibe voller Ambient in höchster Qualität. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass die Band nie laut wird, Gitarren als solche nicht zu erkennen sind und ein Schlagzeug komplett fehlt. Die Lieder suchen ihre Form während vieler Minuten und wollen sich keinen klaren Strukturen hingeben. Wie Moosflechten wachsen die Synthspuren über die Haut und bieten ein Nest für Insekten und Pilze. Man glaubt Tiere zu hören, man fühlt sich plötzlich in der Natur.

„Music For Artificial Clouds“ bietet viele Soundscapes für den Aufenthalt im eigenen Kopf oder der Natur, lässt dich nicht nur auf den Wolken reiten, sondern erdet dich und stellt dir Gaia vor. The Young Gods aus Fribourg bewältigten die gestellte Aufgabe der klangtechnischen Untermalung mit Bravour und bieten ein Ambientalbum mit viel Wirkung – auch wenn es gegen Ende etwas abfällt. Für Fans der Stilrichtung eine Bereicherung.

Anspieltipps:
Eregeen, Arcia, Sandvaten

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