Schiller – Weltreise (2001)

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Schiller – Weltreise
Label: Zeitgeist, 2001
Format: CD
Links: Discogs, Künstler
Genre: Trance, Ambient, Downbeat

Kitsch und Esoterik sind nicht unbedingt Gebiete, die ich gerne besuche. Musik, welche in diese Bereiche abdriftet (wie Enya, das mittlere Schaffen von Mike Oldfield etc.) umgehe ich gerne mit grossen Schritten. Bei Schiller, oder besser gesagt dem ehemaligen Techno-DJ Christopher von Deylen, gestaltet sich dies allerdings etwas anders. Seine Musik spielt mit diesen Elementen, weiss sich aber genügend zu erden, um nicht völlig abzudriften und lächerlich zu erscheinen. Mit „Weltreise“ stand er 2001 noch am Anfang der Karriere und veröffentlichte zuvor nur „Zeitgeist“ als Album. Aber gerade diese Frische macht das Album bis heute zu einer wunderbaren Angelegenheit.

Wie es sich für Schiller gehört, wird man am Anfang begrüsst und durch Franziska Pigulla in die Welt eingeführt. Ein sanfter Beat, Synths und der Gesang von Kim Sanders begleiten uns durch das erste Lied. Schillers Musik lebt oft von den Beiträgen anderer Sängerinnen und Sänger; so sind auch hier ganze sechs Personen vertreten, die Texte zitieren oder singen. Das kann grossartig aufgehen, wie bei „Dream Of You“, einem tollen Hit mit flottem Beat und düsterem Grundton – oder halt auch etwas pseudo-philosophisch anmuten, wie in „Der Prophet“. Wer sich aber mit Von Deylens Musik beschäftigt, kennt diese Dualität und wird damit auch nicht vor den Kopf gestossen. Denn gerade sein Können als Produzent und sein Flair für Harmonien, Synthläufe und Perkussion aus dem Downbeat verzaubern immer wieder. „Weltreise“ ist, wie es der Titel verspricht, als zusammenhängender Weg gestaltet. Lieder einzeln heraus zu lösen funktioniert nicht wirklich, denn oft greifen Anfang und Ende zweier Nachbarn ineinander über und geben sich die erschaffene Stimmung weiter. Mit seinen tanzbaren Spitzen und entspannenden Tiefen wirkt das Album wie eine Meditation. Volle Wirkung entfaltet sich dann, wenn man die Augen schliesst und „Weltreise“ von vorne bis hinten ohne Ablenkung auf sich wirken lässt. Die Überbleibsel seiner Techno-Zeit holen den Boden der Realität von alleine zurück.

„Weltreise“ ist bis heute mein liebstes Album von Schiller. Er hielt sich damals noch zurück und beschränkte sich auf eine CD, ohne überschüssiges Material reinzupacken. Die Wechselwirkung von Entspannung und Aufregung geht perfekt auf, Trance tanzt mit Ambient. Ich lege es immer wieder gerne auf und gehe meinen Gedankengängen nach. Ein perfektes Album für den Moment, in dem man zwar tanzen möchte, aber keine Energie findet, sich aufzuraffen. Sich treiben lassen kann ja auch schön sein.

Anspieltipps:
Dream Of You, Ein Schöner Tag, Destiny

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