Simple Minds – Sparkle In The Rain (1983)

Simple-Minds-Sparkle-Rain-Deluxe_MBohli

Simple Minds – Sparkle In The Rain
Label: Virgin, 1983 / Remastered Edition: Universal Music Group, 2015
Format: Box-Set mit 4 CDs, DVD, 2 Booklets
Links: Discogs, Band
Genre: New Wave, Synth-Pop

Seit einigen Jahren suchen die grossen Labels in der Musikindustrie verzweifelt nach neuen Wegen, mit ihrer Musik haufenweise Geld zu verdienen. Irgendwann kamen sie dabei auf die Idee, alte Klassiker und Kassenschlager immer wieder neu zu veröffentlichen, natürlich jedes Mal mit neuer Abmischung und Bonusmaterial. Dass viele Neuauflagen eher lieblos waren, ist der Geldgier zu verschulden. Glücklicherweise geben sich die Macher hinter den Produkten wieder mehr Mühe und erstellen definitive Ausgaben von tollen Scheiben. Nachdem hier schon über „Songs From The Big Chair“ von Tears For Fears gesprochen wurde, geht es heute um eine Box, die ziemlich ähnlich aussieht und klingt: „Sparkle In The Rain“ von Simple Minds – als neu gemischte und ergänzte Kiste.

Das Album steht in der Diskografie der walisischen Band am Wendepunkt. Nach „Sparkle In The Rain“ waren sie endgültig Superstars und füllte alle Hallen. Passenderweise klingen die Lieder darauf auch nach Stadion und grossen Räumen. Alles wird vom typischen Klang voller Hall und Echo beherrscht, Gitarren und Keyboards spielen sich gegenseitig heiss. Jim Kerr singt mit seiner unverkennbaren Stimme die in Pathos getränkten Melodien und bringt Herzen zum Schmelzen. Dabei entsteht der damals bandtypische Klang, der geradezu aufforderte, die Arme und Hände in weltumfassenden Gesten zu verwerfen. New Wave war damals die vorherrschende Stilrichtung; Simple Minds zeigten sich als Könner in diesem Genre und erschufen eingängige Lieder, die niemals plump daher kamen. Bis heute haben Klassiker wie „Waterfront“ oder „Up On The Catwalk“ nichts von ihrem Charme verloren. Sicherlich, manches klingt ein wenig veraltet, die Achtziger liegen halt ein paar Jahre zurück. Aber gerade die neue Abmischung von Steven Wilson verleiht dem Album einen zeitgemässen Klang voller Volumen und Druck. Die flächigen Synths und Gitarren fliessen wie süsse Getränke den Rachen hinunter, das Schlagzeug ist wilder als man es in Erinnerung hatte. Gerade beim doch sehr furiosen „The Kick Inside Of Me“ verbindet sich all dies zu einem hymnenartigen Auftritt, den Simple Minds so gerne zelebrierten.

Da man noch drei weitere CDs erhält, darf man nicht nur alle B-Seiten des Albums anhören, sondern auch die Single- und Langversionen der Hits. Das bisher unveröffentlichte Konzert aus Glasgow betrachtet man aber wohl besser als Zeitdokument, denn die Qualität kann nicht wirklich überzeugen. Alles klingt dumpf und viele Stellen in den Songs gingen in der Aufnahme verloren. Schade, aber wer Simple Minds live hören will, hat mit „Live In The City Of Lights“ eine wunderbare Möglichkeit. Videotechnisch wird auf der DVD wenig geboten, dafür erhält man noch die 5.1 Mixe. Das eigentliche Album „Sparkle In The Rain“ hingegen ist zu Recht eines der meistgeliebten der Band. Jedes Lied ist ein Hit, die Harmonien und Instrumente top, die Texte zum Mitsingen. Und dank dem ausführlichen Büchlein lässt sich auch die gesamte Produktion durchleuchten. So müssen Neuauflagen aussehen.

Anspieltipps:
Book Of Brilliant Things, Waterfront, The Kick Inside Of Me

Advertisements

Ein Kommentar

  1. Tatsächlich ein großartiges Album, in meiner persönlichen Liste aber trotz ‚Up On the Catwalk‘ noch hinter ‚New Gold Dream‘, man höre sich nur ‚Hunter And the Hunted‘ an, auch ‚Somewhere S i S‘ ist heute noch ein begeistert gespielter Klassiker der Band, wie jüngst bei Ihrer tollen BigMusic-Tour.
    In meiner Erinnerung kam der große Durchbruch dann mit ‚Once Upon A Time‘, als sie sich endgültig dem pathetischen Pop zuwandten. Schützenhilfe gab der Soundtrack zu Breakfast Club mit Don’t you. Der Song war aber ‚überraschender Weise‘ nicht auf dem Album, und im Nachgang war das auch gut so. Nicht umsonst ist übrigens ‚Alive and kicking‘ noch heute einer der Live-Hits der Band, nicht ‚Don’t you‘. Auch die folgende Live Platte zeigt nochmals das Potential die Songs neu zu interpretieren, wenn auch im Stile der OUAT. Street Fighting years verfeinerte das Konzept, konnte mich aber nicht mehr mitreißen.
    Die beiden og Alben markieren den Umbruch von Wave zu Pop, vielleicht ihre kreativste Phase.
    So meine Erinnerung… 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s