Steve Jansen – Slope (2007)

Steve-Jansen-Slope_MBohli

Steve Jansen – Slope
Label: Samadhisound, 2007 / Remastered Edition: Burning Shed, 2013
Format: 3 CDs im Digipak, Booklet
Links: Discogs, Künstler
Genre: Art-Rock, Experimental, Ambient

Feines Klimpern, sanfte Perkussion und eine Stimme im Hintergrund: „Slope“ startet mit „Grip“ zaghaft und umgarnt den Hörer zuerst mit klaren und hohen Tönen, teilweise willkürlich angeordnet. Doch in all dieser losen Gestaltung erfasst das Album den Boden und weisst hohe Haftung auf. Der Songtitel ist also doch mit Hintergrund und passend gewählt. Eine Eigenschaft, die sich über das gesamte Werk feststellen lässt. Slope, englisch für Abhang oder Böschung, ist wahrlich eine etwas gekippte Sache, immer kurz vor der Kante stehend, dabei den festen Stand aber innehaltend. Ein Blick in den Abgrund ist erlaubt, das Verlieren darin ungesund.

Steve Jansen veröffentlichte sein erstes richtiges Soloalbum 2007 auf dem eigenen Label, und zeigte auf der Scheibe eine unglaubliche Breite an Möglichkeiten und Färbungen. Nicht nur die verhaltene Elecotronica darf sich ausleben, auch der Art-Rock und Ambient halten Einzug. Mit „Cancelled Pieces“ findet man Spuren von Jazz und Pop, vermengt in einem Lied, das von seinen Schlägen neben dem Takt und dem tollen und versetzten Gesang von Anja Garbarek lebt. Gerade die Gastteilnehmer machen aus den einzelnen Songs oft Perlen und verleihen „Slope“ die gewünschte Anmut; Thomas Feiner und David Sylvian entzücken. Dabei hält das Album konstant die Balance aus Klangspielerei und Liedprodukt, mal mit Schwerpunkt auf den instrumentalen Experimenten, dann wieder auf konventionellen Strukturen. Steve Jansen versteht es, Digital und Analog als Gesamtheit zu präsentieren, ohne Lücken zu offenbaren. Dank der wunderbar aufgemachten Neuauflage von Burning Shed kann man nun noch tiefer in die Welt von „Slope“ eintauchen. Mit „The Occurrence Of Slope“ erhält man eine Liveversion des Albums aus Tokio, die nicht nur alle Gäste bietet, sondern den Songs mehr Leben und Tiefe verleit. Wie oft bei Livevarianten erhalten die Songs hier mehr Druck und entfernen sich teilweise von ihrem minimalistischen Gewand. Wer sich aber im Ambient zuhause fühlt, darf mit der dritten CD einen Freudentanz aufführen. „Sound For Film“ bietet Jansens ruhige Arbeiten für das Bildmedium und präsentiert viele Stücke in verlängerter Fassung. Gerade das sehr stille und wunderbar lange „Assent“ ist grossartig knapp.

„Slope“ hat mich am Anfang etwas verwirrt, doch ich habe das Album nun lieben gelernt. Die oft mutige Kombination aller oben genannter Stilrichtungen ist nicht immer einfach, aber hat einen grossen Reiz. Die Platte weiss höflich mit ihren Grosseltern Jazz und Pop umzugehen, ist ein gutes Kind von Art-Rock und Ambient, und lebt seine wilden Jahre in der avantgardistischen Electronica aus. Ein Bastard ohne geheime Herkunft.

Anspieltipps:
Cancelled Pieces, Playground Martyrs, Ballad Of A Deadman / Assent (Swimming In Qualia)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s