V.A. – TF100 (2011)

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V.A. – TF100
Label: Tonefloat, 2011
Format: Buch mit 2 x 10inch Vinyl und CD
Links: Discogs, Shop
Genre: Ambient, Electronica, Art-Rock

Das Label Tonefloat steht seit einigen Jahren für anspruchsvolle und wandelbare Musik im Umfeld von Art-Rock, Ambient und Electronica. Nebst eher unbekannten Namen wie Dirk Serries oder Continuum erblickt man im Katalog auch alte Bekannte wie Steven Wilson und all seine Projekte, Theo Travis oder Fear Falls Burning. Dabei wussten die Betreiber ihre Wahl der Veröffentlichungen immer stilvoll und interessant zu gestalten. Oft dominiert die atmosphärische und eher ruhige Erscheinung, viel Elektronik und Sphäre. Farbtupfer wie Jazz oder Prog ergänzen das Bild.

Zum Jubiläum der 100. Veröffentlichung schenkte das niederländische Label sich selber und allen Mitwirkenden einen wunderschön gestalteten Katalog in Form einer Retrospektive. Das Buch in Grösse einer 10inch Schallplatte bietet Bilder aller Platten und CDs, Konzertplakate und Fotografien der letzten Jahre – ergänzt werden die Bilder mit erklärenden Infos und Texten. Und weil man Musik besser mit dem Ohr als den Augen aufnimmt, bietet TF100 zwei Vinylscheiben mit neuen, sanften Songs, aufgenommen von diversen Musikern, die an der Labelgeschichte beteiligt waren. Mit „Like Charcoal“ empfangen uns Sand Snowman, Theo Travis und Steven Wilson im ehrwürdigen Saal, verteilen Drinks mit Schirmchen und begleiten uns zu den Tischen. Auf der Bühne stehen unzählige Instrumente und Effektgeräte, der schwere Samtvorhang ist geöffnet. Wenn die Musiker nun beginnen, den Raum mit Klängen zu füllen, haftet allen Stücken eine ätherische Wirkung an. Die Strophen und Refrains fliegen wie Nebelschwaden durch den Raum, breiten sich aus und vermischen sich zu einer allumfassenden Masse. Selten treten einzelne Instrumente aus dieser Wolke heraus und wagen einen Einzelgang. Bei dem kurzen „Through The Eyes Of The Duck“ wippen die Glieder zu einem hübschen Beat mit, ansonsten driftet man wankend durch die Lieder. Diese Zusammenstellung mutet teilweise wie eine Meditationsanleitung an, muss man sich doch oft auf die Stücke konzentrieren, um die leise gespielten Bestandteile zu erfassen. Es lohnt sich aber sehr, für einmal die Augen zu schliessen und mitzuträumen. Denn wenn eine Harfe zusammen mit einer sanften Gitarre sich spielerisch umkreisen („Song For John Fahey“) oder Synths ihre Teppiche aufeinanderlegen, um grosse Wandtücher zu erschaffen, ist dies voller Schönheit und Eleganz.

Mit TF100 hat das Label nicht nur eine Rückschau, sondern auch einen guten Einsteigepunkt für Neulinge geschaffen. Die Lieder bieten alle Markenzeichen der typischen Tonefloat Musik, stimmen ein und machen Lust auf mehr. Gerne stöbert man im Buch und liest über verpasste Platten, die hoffentlich bald im heimischen Regal zu finden sein werden.

Anspieltipps:
Like CharcoalPale Ghostlike FriendSong For John Fahey

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