The Neal Morse Band – The Grand Experiment (2015)

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The Neal Morse Band – The Grand Experiment
Label: Inside Out, 2015
Format: Vinyl im Gatefold, mit 2 CDs
Links: Discogs, Band
Genre: Symphonischer Prog, Rock

Ja gibt es denn sowas? Herr Morse wollte wieder einmal ein neues Album aufnehmen und wagte sich ohne Demos oder Skizzen in das Studio. Was für viele Bands eher Norm ist – oder sicherlich nicht als grosses Experiment gilt – ist bei dem Progveteran doch eher ungewöhnlich. Damit er aber nicht komplett verloren zwischen Mischpult und Mikrofon steht, lud er seine Freunde mit ein. Allen voran Mike Portnoy, Schlagzeuger seines Vertrauens und Legende, dazu Randy George und Eric Gillette. Und wenn schon alle fröhlich an den Liedern rumbasteln, läuft das Ganze auch unter dem Banner von „The Neal Morse Band“.

Als erstes möchte ich festhalten, dass ich Neal Morse schon immer gemocht habe und als sympathischen Zeitgenossen empfand. Sicherlich, seine Musik ist nicht immer die innovativste, und die Masse an neuen Alben mit all seinen Bands war in den letzten Jahren etwas viel (denn zum Solomaterial gesellten sich noch Transatlantic und Flying Colors). Aber trotzdem macht es mir immer Spass, seine hochmelodiösen und symphonischen Progplatten anzuhören. „The Grand Experiment“ bietet auf den ersten Blick dann auch genau das, viel Melodic-Prog mit Synth und Keyboards, harten Gitarrenriffs und einer treibenden Rhythmusfraktion. Mit „The Call“ wird man in traditioneller Weise ins Album eingefügt und darf tollen Gesangsleistungen und wilden Passagen lauschen. Textlich bleibt es wie immer im Rahmen der Floskeln und schematischen Satzbildungen. Neal Morse verfügt wohl über ein Wortschatz von zirka 200 Ausrücken, mit gern benutzten Schlagwörtern wie „Love / Way / Dream / Believe / Fly / Freedom“. Schön aber, dass der Song gegen Ende in die harten Gefilde abdriften darf. Und mit dem Titelsong wird dann so richtig drauflos gerockt, mit tollem Chorgesang im Refrain. Bei jedem Lied fällt auf, dass die Musiker mit viel Freude an diesem Album gearbeitet haben, denn alles klingt locker und unerzwungen. In „Agenda“ dürfen die Synths knarren, und im abschliessenden „Alive Again“ (welches die gesamte B-Seite ausfüllt) finden alle Zutaten zu einem Epos zusammen. Und obwohl manche Stellen so klingen, als hätte man sie vielleicht doch noch einmal überarbeiten müssen, haftet „The Grand Experiment“ der charmante Jam-Faktor an. Die Musik wurde direkt aus den Instrumenten auf die Scheiben gepresst und im gemeinsamen Musizieren entdeckt.

Wenn fünf Profimusiker ohne vorbereitete Ideen im Studio aufeinander treffen, und ein Album zwischen Hardrock und Melodic Prog aufnehmen, kann dies eigentlich nicht falsch gehen. Im Falle der Neal Morse Band trifft dabei Spielfreude auf Talent, bietet somit eine erfreute Angelegenheit voller Melodienbergen. Dazu passt auch die nette Geste, dem Vinyl die Bonus-CD der Special Edition beizulegen. Hier erhält man weitere Songs aus den Sessions, die wie bei „New Jerusalem“ auch gerne mal in den Bereich Christenrock driften, und Liveaufnahmen von den letzten Touren. Neal Morse hat es geschafft, eine weitere aufregende Platte zu veröffentlichen und sein Experiment mit positivem Ergebnis abzuschliessen. Weiter so.

Anspieltipps:
The Grand Experiment, Alive Again, New Jerusalem (Freedom Is Coming)

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