Editors – In This Light And On This Evening (2009)

“Musik für die Ewigkeit”; unter diesem Label veröffentliche ich Reviews zu Platten und Alben, die mein Leben am stärksten beeinflusst haben, und mir für immer ans Herz gewachsen sind. Meine persönlichen Platten für die einsame Insel.

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Editors – In This Light And On This Evening
Label: PIAS, 2009
Format: Doppel-CD im Digipak, Inlay
Links: Discogs, Band
Genre: Synthie-Pop, Indie-Rock

„Ok Leute, unsere Band feiert seit zwei Alben kräftigen Erfolg mit unserer Mischung aus düsterem Rock, Indie und dem Geist von Joy Division. Aber immer nur gleichförmige Songs zu schreiben wird langweilig. Wollen wir nicht etwas Neues wagen? Vielleicht mit mehr elektronischem Anteil oder vielen Synths?“ Was als kurzer Einwand im Bandraum von den Editors begonnen haben könnte, wuchs zur dritten Platte der englischen Band an und überzeugte am Ende genau so viele Leute, wie es vor den Kopf stiess.

Ich kann die Aufregung und den Protest gewissermassen nachvollziehen. Denn „In This Light And…“ wird mit einem Instrument eröffnet, dass in dieser Art gespielt wohl niemand von der Gruppe erwartet hätte: Ein heftiges Keyboard im Stile der 80er. Synthetisch klingende Melodien, Kitsch und viel Hall. Oft erinnert die Musik dabei an „The Terminator“ oder ähnliche Filmmusik aus dieser Dekade. Editors finden aber einen Weg, dieses neue Element in ihre Musik einzufügen, ohne in die Fallen zu tappen. Weiterhin geben Bass und Schlagzeug das Gerüst vor, teilweise darf sich sogar eine Gitarre zum Soundbild dazugesellen. Und über allem thront weiterhin die tiefe und wundervolle Stimme von Tom Smith. Diese Mischung garantiert den Wert der Heimat, man wird nicht komplett mit Innovation überrollt. Trotzdem wagte sich die Band hier weit hinaus und erweitert ihre Musik in unbekannte Sphären. Ob dies nun in Richtung eines Disco-Stampfer geht wie bei „Papillon“ oder doch lieber beschwörend wie beim Titelsong – die Musiker hatten so viele Einfälle, dass jedes Lied auf dieser Platte nur so glüht. Melodien werden gleich bergeweise geschichtet, Chöre erklingen im Hintergrund, Lieder erfahren plötzliche Stimmungswechsel. So auch in meinem liebsten Track, „You Don’t Know Love“. Er beginnt verschworen und lässt in Erinnerungen schwelgen, nur um dann in der Mitte plötzlich aufzuschreien und den Rest der Laufzeit mit einem sägenden Synthlauf zu beenden.

Auf dem gesamten Album bewies die Band, dass der Umgang mit den elektronischen Klängen für sie keine Angst bedeutet. Versiert und kontrolliert bauen sie sich neue Hütten und lassen sich für die volle Spielzeit darin nieder. Die Lieder, die in dieser Phase geschrieben wurden, sind bis heute bestechend und verleiden nie. „In This Light And…“ ist ein Musterbeispiel für eine geglückte Abkehr des Markenklangs einer Band. Solche Wechsel können schnell schief gehen, die Editors haben aber alles richtig gemacht. Schade dafür, dass sie seither ihrem eigenen Schatten hinterherrennen.

Anspieltipps:
In This Light And On This Evening, You Don’t Know Love, Eat Raw Meat = Blood Drool

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