Supergrass – Road To Rouen (2005)

“Musik für die Ewigkeit”; unter diesem Label veröffentliche ich Reviews zu Platten und Alben die mein Leben am stärksten beeinflusst haben und mir für immer ans Herz gewachsen sind. Meine persönlichen Platten für die einsame Insel.

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Supergrass – Road To Rouen
Label: Parlophone, 2005
Format: CD
Links: Discogs, Band
Genre: Indie, Brit-Pop

Ist es nicht spannend, wie manche Bands mehrere Alben im selben Stil herausbringen, dabei nie gross Experimente wagen, und dann plötzlich ein Album veröffentlichen, das sich von allem bisherigen abhebt? Diese Ausfallschritte können total daneben gehen, oder wunderbare Kleinode offenbaren, die ohne solche Waghalsigkeit nie geboren wären. Supergrass wenden sich auf „Road To Rouen“ plötzlich vom spassigen Indie-Rock ab und zelebrieren den Folk-beeinflussten und bedachten Brit-Pop. Es war die Zeit, in der man wieder von Albion sprach und Pete Doherty in Drogen ertrank, und ich fand Zuflucht auf einem Album voller Sonderheiten.

Wie bei Star Wars eröffnete die Band mit der zweiten Trilogie und zeigt in „Tales Of Endurance“ gleich Mal, welcher Wind jetzt aus den Boxen weht. Vorbei sind die Zeiten der simplen Songs mit drei Akkorden, jetzt gibt es Richtungswechsel, Bläser, verspielte Gitarren und dahinwabernde Orgeln. Schön, dass immerhin der stampfende Auftritt von Rhythmusgitarre und Schlagzeug noch an vergangene Werke erinnert. Aber wer will schon Reminiszenzen, wenn er wunderbar verträumte Songs im Mittelfeld von Rock, Pop und Indie-Folk erhalten kann? Erstaunlich ist dabei, dass ich nach Jahren bei keinem Lied Abnutzungserscheinungen feststellen kann. Egal ob „Sad Girl“ oder „Coffee In The Pot“, immer weiss die Band mit verwunderlichen Melodien und Einspielungen zu überraschen. Alles was im Kopf herumschwirrte, wird hier ausgebreitet und serviert. Oft umgarnen sich dabei diverse Gitarrenspuren und ein fröhlich klimperndes Klavier, Gaz Coombes begleitet mit seiner angenehmen Stimme. Immer wieder erstrahlen Momente der Genialität, wie der Einstieg in „Roxy“, der sogleich loslegt und dann total an die Siebziger erinnert, gegen Ende sich sogar in der Trance verliert. Wer bei solcher Musik kein Lächeln auf seinem Gesicht verspürt, der mag auch keine Katzen.

In den Nullernjahren war ich im Indie Zuhause und legte meine Hörgewohnheiten danach aus. „Road To Rouen“ ist aber das praktisch einzige Werk, das mich noch heute regelmässig begleitet. Selten war ein Album aus diesem Umfeld und diesen Jahren so voller Einfälle und frischen Herangehensweisen an die Standards (und ja, der Titelsong klingt wie die Strokes). Die Band selber bestand nur noch fünf weitere Jahre nach dieser Veröffentlichung, ihr letztes Album stellte wieder eine Rückkehr zum bekannten Klang dar. Ob sie wohl an diesem Experiment oder der Ungläubigkeit der Hörer zerbrochen sind? Wie auch immer, „Road To Rouen“ nimmt mir niemand mehr weg.

Anspieltipps:
Tales Of Endurance (Parts 4, 5, & 6), Roxy, Low C

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