Leech – The Stolen View (2007)

„Musik für die Ewigkeit”; unter diesem Label veröffentliche ich Reviews zu Platten und Alben die mein Leben am stärksten beeinflusst haben und mir für immer ans Herz gewachsen sind. Meine persönlichen Platten für die einsame Insel.

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Leech – The Stolen View
Label: Eigenveröffentlichung, 2007
Format: Doppelvinyl
Links: Discogs, Band
Genre: Post-Rock

Gegen Ende der Nullerjahre wurde aus dem Nischenprodukt Post-Rock ein Massenphänomen. Überall schossen neue Bands aus dem Boden, Musikmagazine füllten ihre Reviewseiten mit instrumental rockenden Scheiben. Auch ich fand mich plötzlich in der Welt der Laut-Leise-Dynamik wieder, vergass Gesang und wurde von Gitarren durch die Lüfte getragen. Dass eines der besten Alben in der Stilrichtung dabei ganz in der Nähe meiner Heimat Zofingen entstanden ist, wusste ich damals noch nicht. Bald aber änderte sich diese Blindheit dank diversen Konzertbesuchen und dem Kauf von „The Stolen View“. Ein bis heute epochales Glanzstück und phänomenales Beispiel für instrumentale Musik.

Die Aargauer Band Leech macht eigentlich nicht viel anders als die meisten ihrer Post-Rock-Kollegen auch. Ihr Rock ist klar instrumental gehalten, stützt sich auf mehreren Gitarren und einer Orgel ab, und bietet Stücke mit Längen von bis zu fast 20 Minuten. Auch das Spiel der Klangwand gegen die leisen Passagen beherrscht die Truppe aus dem Effeff. Trotzdem, „The Stolen View“ bietet meilenweit bessere Musik als tausende andere Platten aus dem Genre. Lieder wie „Silent State Optimizer“ oder „Totem & Tabu“ hantieren nicht nur mit den Bestandteilen des Stils, platzieren die Fragmente am richtigen Ort und verbinden alle Künste des Handwerks, nein. Sie beweisen auch das richtige Gespür für Melodie, Gefühl und Innovation. Langsam bauen sich die Stücke auf, in sich drehenden Kreisen und immer intensiver gespielten Läufen, steigern sich bis zur Spitze um dann über den Hörer wie eine Welle einzubrechen. Was live mit bis zu drei Gitarren gleichzeitig gespielt wird, funktioniert auf Platte dank Overdubs genau so gut. Hier geht es weniger um Lautstärke, sondern um den Druck und sich umgarnenden Spielereien von Keyboard und Gitarren. Anstelle sich immer gleich wieder zurückzunehmen und den Aufbau neu zu starten, lassen Leech die Wand einfach stehen und klettern rauf, um sie noch dicker zu bauen.

Viel Einfluss auf die Faszination haben die einfach zu erfassenden und eingängigen Melodien. Dieser Post-Rock muss nicht hundertmal angehört werden, um die songübergreifenden Melodienbögen und Spannungen zu verstehen. Weil aber nichts billig ist, bleibt es auch nach Jahren immer noch aufregend. Mit „The Man With The Hammer“ verfügt die Platte sogar über den „Pophit“ der Band, ein Lied, das sich live bis zum Ausrasten des Publikums steigert und steigert. „The Stolen View“ war die Rückkehr von Leech nach einer langen Pause, ein Monument, das von keiner anderen Band – und auch von den Schweizern selber – wohl jemals übertroffen wird. Live übrigens auch immer eine geniale Erfahrung.

Anspieltipps:
The Man With The Hammer, Inspiral, Totem & Tabu

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