SBTRKT – Wonder Where We Land (2014)

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SBTRKT – Wonder Where We Land
Label: Young Turks, 2014
Format: Vinyl mit Download
Links: Discogs, Musiker
Genre: Dubstep, Electro, R’n’B

Wenn etwas an dieser Platte betörend ist, dann das Cover. Knalliges rot mit computeranimierter Hand, darauf ein merkwürdiges Wesen. 2014 gab es wohl wenige Alben, die hübscher verpackt waren, darum hab ich mir das zweite Werk von SBTRKT gekauft, ohne reinzuhören. Schliesslich ist es eine fast vergessene Kunst, Musik nur anhand der Bilder auf der Verpackung zu erstehen. Und weil ich hier wieder einmal Glück hatte, weiss auch die Musik zu gefallen, und muss sich nicht in der Verpackung verstecken.

Aaron Jerome Foulds musiziert sich mit Maske und dem kryptischen Künstlernamen SBTRKT seit zwei Alben durch die Englische Szene. Genrebezeichnungen sammelt er dabei auf wie Gastkünstler. Post-Dubstep, Indie, R’n’B, Electro, Garage – alles wird zu einer spannenden Suppe verkleinert und mit viel Geschick arrangiert. Beats und Melodien werden angespielt, aber sogleich mit einer grossen Schere zerschnitten und in die Schnipsel in die Luft geworden. Man muss auf der Hut sein, denn gerne wechseln die Lieder ihre Laufrichtung, und ohne offene Augen stolpert man schnell. Interessant ist dabei, dass das Album mit seinen 15 Tracks trotzdem nur auf etwas mehr als 40 Minuten Laufzeit kommt. SBTRKT weiss sich trotz der verspielten Art in Zurückhaltung zu üben. Die einzelnen Momente dauern nur so lange an wie auch nötig, um in Erinnerung zu bleiben. Warum sollte ein Lied sechs Minuten andauern, wenn auch etwas mehr als zwei reichen? Als Leitfaden dienen dabei die Stimmen von Sampha, Jessie Ware oder Caroline Polachek. Sie geben den wackeligen Gerüsten Halt und intonieren den Gesang wie im R’n’B und Hip-Hop. Allgemein hat die Afrokultur grossen Einfluss auf Foulds Musik – so gefühlvoll muss die kalte Elektronik erst mal intoniert werden.

„Higher“ oder „New Drop New York“ funktionieren grossartig mit ihrem Popanstrich, lassen aber die Stacheln der Avantgarde direkt unter dem Mantel lauern. Wenn diese hervorgenommen werden, dürfen sich auch gerne mal störende Pieps- und Rauschgeräusche über die Musik legen und disharmonisch das Lied aufbrechen. Dabei ist „Wonder Where We Land“ ein Werk, dass sich nicht so bereitwillig niederlässt wie der Vorgänger – aber genau deswegen das Genie von Foulds und die Grösse des Albumformates offenbart.

Anspieltipps:
Wonder Where We Land, Higher, New Drop New York

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